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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 4 · p. Seite 490

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 4
Article
Die Grundlagen einer jüdischen Ethik
Date
1912-01-01
Page
Seite 490 (sequence 13)
Language
German
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490י Die Grundlagen einer jüdischen Ethik. Nähe der Wüste die Schafe seines Schwiegervaters weidete, entlief ihm ein Schaf. Moses begab sich auf die Suche nach ihm und fand es bei einer Quelle, seinen Durst ■hastig stillend. Da erkannte Moses, daß es nur deshalb entlaufen war, weil es von Durst gequält war; er machte sich darüber Vorwürfe, daß er nicht genügend für das ׳Tier gesorgt hätte. Mitleidig nahm er dann das müde Tier ״auf seine Schulter und trug es zur Herde zurück. Da sprach Gott zu ihm: Da du ein so treuer Hirte deiner Herde bist, wirst du wohl auch meine Herde, das Volk Israel, mit Schonung und Liebe behüten; sei du daher der treue Hirte meines Volkes«. »Der Gerechte weiß, wie seinem Tiere zu Mute ist, aber des Frevlers Herz ist grausam«1). Hierzu bemerkt der Midrasch2): »Der gerechte Mensch wird sein Tier selbst, Wenn er ihm zürnt, schonend behandeln«, dagegen wird ein rohes Gemüt an dem Tiere seine Wut auslassen. Wer aber gegen harmlose Tiere grausam verfährt, verrät eine Verrohung und Niedrigkeit des Gemütes: Daher berücksichtigt die Bibel auch das Fühlen des Tieres. Sie ge* bietet, daß ein Kalb nach seiner Geburt die ersten sieben Tage bei dem Muttertier bleiben solle und erst vom achten Tage ab geschlachtet werden dürfe3). Ein Muttertier darf nebst seinem Kalbe nicht an einem und demselben Tage geschlachtet werden4), denn auch das Muttergefühl des Tieres soll man schonen, das beim Anblick, wie sein eigenes Kalb getötet würde, in Aufregung geraten würde. Daher ,darf man, wenn man ein Vogelnest ausnehmen will, erst dann sich die Küchlein aneignen, wenn die Mutter weg-;geflogen ist6). Das Verbot: »Du sollst nicht das Zicklein *) Spr. Sal. 12, 10. 2) Jalkut zu Spr. Sal. 12, 10. '*) 3. M. 22, 27. 3 ף. M. 22, 28. 5 ף. M. 22, 6.

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