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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 4 · p. Seite 488

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 4
Article
Die Grundlagen einer jüdischen Ethik
Date
1912-01-01
Page
Seite 488 (sequence 11)
Language
German
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'488 Die Grundlagen einer jüdischen Ethik. da ja-:Gottes Barmherzigkeit sich eben auf alle Geschöpfe erstreckt1) und Gott nicht nur dem Menschen, sondern auch dem Tiere hilft2). Der Buddhismus gebietet zwar auch Milde gegen sämtliche Tiere. -Allein den Anlaß zu dieser weitgehenden Sorge für die Tiere hat die eigenartige indische Lehre von der menschlichen Seelenwanderung ge* geben, nach welcher die Seele eines verstorbenen Menschen: zur Strafe für seine ehemaligen Sünden in ein Tier oder einen Baum übergeht. Daher verbietet der Buddhismus, selbst zum eigenen Schutze gefährliche und schädliche Tiere zu töten, denn das Tier ■könnte vielleicht eine menschliche Seele in sich bergen. Im Pan^atantra (III, 105—107) heißt es: »Nicht verletzen, das ist die erste Tugend gemäß dem Spruch der Frommen; darum schone man sogar Läuse, Wanzen, Wespen und Ähnliches. Sogar wer schädliche Tiere verletzt, ist schon mitleidlos und wird zur grausen Hölle fahren, geschweige der, der güte selbst verletzt. Wer Bäume fällt und Vieh tötet öder durch Blutvefgießert sich befleckt, kann dieser ins Paradies kommen? Für Wen ist dann die Hölle da«? Die altpersisehe Religion des Zäfäthüsträ rät ihren Bekettnern an, nur die HäUstiere aus äeni Grunde schottend izü behandeln, weil sie den Menschen großen Nüfeett gewähren. Dagegen gebietet das Judentum aüs reiner Liebe zu Gott; der der Väter aller Geschöpfe ist, sämtliche Lebewesen -milde zu behandeln; »Ebenso Wie Gott sich über die Meftschen erbarmt; so erbarmt er sich über alle Tiere«2). Gött sendet selbst den Wildesten Tieren ihre Nahrung4); denn »voll ist die Erde deiner Geschöpfe«; »Sie alle harren dein, däß du ihnen ihre Nahrung zur rechten Zeit gewährst, du gibst ihnen, sie lesen auf, du öffnest deine Hand, sic *) Ps. 145, 9. '4) Ps. 36, 7. J) Tanchuma zu 1. M. c. 8. 0 Ps. 104, 21.

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