Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 4 · p. Seite 484

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 4
Article
Die Grundlagen einer jüdischen Ethik
Date
1912-01-01
Page
Seite 484 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2829132-2829843-2829848-2891583--39771-2891698
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

484 Die Oruudlageit einer jüdischen Ethik. hai das Judentum von jeher das größte Gewicht gelegt. Der Talmud sagt, daß eine Stadt, die keine Schule für Rinder hat, zu Grunde gehen muß1 2). Vor allem wandten sich daher ».die Essäer an die Kinder, spJange diese noch in zartem Älter standen und bildungsfähig.׳waren; sie hielten sie wie ihre Angehörigen und prägten ihnen ihre Sitten ein«?). Die Überzeugung, daß die Zukunft Israels von der Jugenderziehung abhänge, kommt in folgender talmudischer Erzählung aus dem vierten Jahrhundert (n, Chr.) zum Ausdruck. Der Patriarch R. Gamliel sandte zwei weise Männer, R. Ammi und R. Assi, nach verschiedenen jüdischen Gemeinden, um sich zu überzeugen, ob überall hinreichend für die Jugenderziehung gesorgt werde. Die beiden weisen Männer kamen an einen Ort, wo sie nach den »Beschützern der Stadt« fragten. Da wurden ihnen die Obersten der Polizei vorgestellt. Doch lächelnd riefen jene aus: »Nicht die Beschützer, sondern die Zerstörer der Stadt sind sie, die wahren Beschützer der Stadt sind die Jugendlehrer«3). Erst in neuerer Zeit sind unsere modernen Staatsmänner zu dieser Überzeugung gelangt, daß nicht die Polizei, nicht die strengen Strafgesetze wahre Garantien bieten für die Sicherheit der Gesellschaft und für die Beschützung von Leben und Gut der Einzelnen, sondern vor allem einegediegene Erziehung der Kinder, durch die das Böse schon frühzeitig im Keime unterdrückt werden kann. Darum sagt mit Recht der Talmud: Die Welt hat ihren Fortbestand dem unverdorbenen Hauch zu verdanken, den die Schuljugend beim religiösen Unterricht in der Schule ausatmet, denn eine gute Schule erzieht gute Bürger. Diese sind es, welche den sittlichen Fortschritt der Welt ermöglichen, weil die Kinder noch unschuldig und frei von Sünden sind4). J) Sabbat 119. 2) Jos., Bellum Judaicum II, 8, 2, s) Jer. Chagiga 76, jalkut Jerem. Pesikta de R. Kahana P. 15. *) Sabbat 119 b.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.