Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 4 · p. Seite 480

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 4
Article
Die Grundlagen einer jüdischen Ethik
Date
1912-01-01
Page
Seite 480 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829843-2829848-2891583--39767-2891694
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

480 Die Grundlagen einer jüdischen Ethik. bis zu seinem zehnten Jahre vollständig gut. Von da ab beginnt der böse Trieb sich in ihm zu regen. Sucht ihn der Mensch nicht zu beherrschen, so verfällt er der Sünde«1). Diese Anschauung ist auch in folgender Legende enthalten: »Als das Kind Ismael in der Wüste dem Verschmachten nahe war und Gott der Hagar eine Quelle zeigen wollte, baten ihn die Engel, er möge das Kind verdursten lassen, da es später einmal viele Israeliten vor Durst umkommen lassen werde«. Da sprach Gott: »Ist er nicht jetzt vollkommen fromm? Man beurteile einen Menschen nur nach seinen bisherigen Handlungen«2). »Die heiligen Worte der Tora werden darum mit einem Kinde verglichen, Adam erschaffen zu werden, allein Gott dachte: Erschaffe ich Abraham zuerst, wer soll, wenn er sich versündigt, es wieder gut machen? Darum will ich zuerst den Adam erschaffen; handelt er verkehrt, so kommt dann Abraham und macht es wieder gut« (Midi*. Koheleth II, 11). »In dem Maße, wie die irdischen Generationen entarteten, entfernie sich Gott immer weiter von der sündigen Welt. Nach der Sünde Adams verließ Gott die Erde und weilte im ersten Himmel. Nach ihm kamen die sündhaften Geschlechter des Kain, des Enosch, der Sintflut, des babylonischen Turmbaues, Sodoms und Kanaans. Nach jeder von diesen Generationen zog sich Gott von einem Himmel den andern zurück, bis er im letzten Himmel war. Nach diesen sündhaften Geschlechtern folgten sieben fromme Männer: Abraham, Isak, Jakob, Levi, Kehat, Amram und Moses. Mit dem Auftreten dieser einzelnen Männer stieg die himmlische Majestät zurück von Himmel zu Himmel, bis sie zu Moses Zeiten von neuem auf der Erde weilte« (Pesikta r. P. 5 u. 40). Auf die christliche Lehre der Erbsünde scheint R. Jochanan bar Napacha anzuspielen, welcher lehrt, daß die Schlange in Eva ein Gift zurückgelassen habe, das sich auf die menschlichen Nachkommen fortpflanzte; Israel jedoch sei infolge der göttlichen Gesetzgebung von diesem Gifte befreit worden (Aboda sara 22 b). x) Midr. Tanchuma zu I Mos. cap. 2. s) Bereschit rabba Par. 53, vgl. auch Talm. Rösch ha־Schana 16b. Als Kuriosum will ich erwähnen, daß Sombart in seinem Werke: »Die Juden u. d.Wirtschaftsleben« S. 246 aus dieser Legende folgert, daß einem »gelegentlich auf Wunsch Kontoauszüge« vom himmlischen Guthaben gemacht werden. Darf ein Gelehrter derart die Tatsachen entstellen?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.