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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 4 · p. Seite 479

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 4
Article
Die Grundlagen einer jüdischen Ethik
Date
1912-01-01
Page
Seite 479 (sequence 2)
Language
German
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Die Grundlagen einer jüdischen Ethik. 479 den Heiden im Ausland, damit er überall geliebt, geachtet und gern gesehen bei den Menschen sei«1 2). Nur derjenige kann sich die Tora vollkommen aneignen, »der Gott und die Menschen liebt, der Wohitun und Redlichkeit liebt, der seinem Nächsten das Joch (des Leidens) tragen hilft und ihn stets nach der günstigen Seite beurteilt, ihn auf den Weg der Wahrheit bringt und ihm zum Frieden verhilft«*). Gottesliebe und Menschenliebe sollen sich also gegenseitig durchdringen. Wer nun seinen Nächsten haßt, kann Gott nicht wahrhaft lieben, denn Gottesliebe ist allumfassend, in ihr schätzen wir die Welt und das Leben. C. Bewertung des Kindes3). а) Des Kindes Seele ist sündenrein. Das Judentum bewertet das Kind sehr hoch. Des Kindes Seele gilt als rein und unschuldig. »Mein Gott! die Seele, die du mir gegeben hast, ist rein«, so beginnt ein Gebet4). »Wie die Opfer rein sind, so sind auch die Kinder rein«5). »An dem Kinde werden noch keine Sünden gefunden6«). Vor seiner Geburt hört das Kind die göttliche Stimme: »Wisse, daß Gott rein ist, und daß auch deine Seele rein ist, die er dir gab. Bewahrst du sie in Reinheit, dann Heil dir! Falls aber nicht, entreiße ich sie dir«7). »Heil dem Fenschen, dessen Sterbezeit ähnlich ist der Zeit seiner Geburt. Sowie er in der Stunde, wo er geboren ist, rein ist, so sei er auch in der Todesstunde rein«8). »Das Kind ist *) Berachot 17 a. 2) Perek Kinjan Tora 6. s) Darüber finden sich bei Lazarus Bd. II, p. 272 nur neun Zeilen. 4) Berachot 60 b; vgl. Wajjlkra Rabba Par. 4. 5) Pesikta de R. Kahana P. 6. б) Bemidbar rabba Par 4. 7) Nidda 30 b, Wajjikra r. P. 14. 8) Debarim r. Par. 7 (cap. 28, 6). Solche Anschauungen ließen nicht den Gedanken an die »Erbsünde« aufkommen. Diese christliche Vorstellung wird vielmehr bekämpft: »Abraham hätte verdient, vor

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