Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Beiträge zur Geschichte der partiellen Judentage in Polen um die Wende des XVII. u. XVIII. Jahrhunderts bis zur Auflösung des jüdischen Parlamentarismus (1764)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 465 (sequence 8)
- Language
- German
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Beiträge zur Geschichte der partiellen Judentage in Polen. 465 hatten, sowie den Ort der Beratungen. Die formelle Einberufung des partiellen Judentages war folgendermaßen geordnet: Der weltliche Vorsteher des Provinzialverbandes, Kreismarschall (marszaiekziemski) genannt, bestimmte mit Einverständnis der Kreisältesten der Juden (starsi ziemscy)[Zeitund Ort derTagung. Darauf wurde der betreffende Woiewode verständigt und um Bestätigung des Beschlusses des jüdischen Provinzialvorstandes ersucht. War die Ein* willigung des Woiewoden eingetroffen, so setzten die Kreisältesten die Judenschaft ihrer Wohnorte von dem Zusammentritt des Judentages in Kenntnis. In Städten und Ortschaften, wo keine Kreisältesten wohnten, wurde die jüdische Bevölkerung durchs schriftliche Ankündigungen verständigt. Diese wurden von dem Kreismarschall oder Kreisrabbiner verschickt und gewöhnlich an den Mauern der Synagoge angeschlagen1). Gleichzeitig wurden in den Bethäusern die Gläubiger des jüdischen Provinzialverbandes aufgefordert, ihre Forderungen auf dem zusammentretenden Judentage anzumelden und daselbst sämtliche Belege vorzubringen, widrigenfalls sie das Recht verlören, ihre Ansprüche gegen den Provinzialverband in Zukunft geltend zu machen2). b)Die Zusammensetzung des partiellen Judentages. An dem partiellen Judentage nehmen Anteil: 1. Die polnische Regierung, vertreten durch den »patronus Judaeorum«, den Woiewoden, beziehungsweise durch Komissäre, welche der Woiewode zum Judentag entsandte, um sich dann von ihnen über den Verlauf der Beratungen und die gefaßten Beschlüsse informieren zu lassen. Die Kommissäre waren zuweilen die faktischen Leiter der Judentage: sie drückten den Beratungen ihren Einfluß auf und gestaltete den Judentag zu einem Werkzeug des ף Vgl. Castr. Leop. Bd. 571. S. 2692, Artikel XI. 2) Ossolinskische Handschrift, Nr. 303, S. 225, Artikel 6. Monatsschrift, 56. Jahrgang. 30