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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 4 · p. Seite 456

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 4
Article
Aus der Bibelexegese Joseph Ibn Kaspis
Date
1912-01-01
Page
Seite 456 (sequence 8)
Language
German
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456 Aus der Bibelexegese Joseph Ibn Kaspis. weisen, daß man mit den Jahren seine Ansicht ändern könne, erzählt er1 * *), in seiner Jugend habe er den bei der Menge verbreiteten Glauben, es sei nicht gut bei Nacht in den Spiegel zu sehen, verspottet. Aber später erzählte ihm ein angesehener Mann, der gut arabisch wusste, er habe in dem arabischen Werke eines bedeutenden Gelehrten die Angabe gefunden, daß das Hineinblicken in einen Spiegel zur Nachtzeit Verkrümmung des Mundes erzeuge. — Zu Prov. 16, 33 bemerkt er, das Looswerfen in diesem Verse sei nicht das derzeit bei den Frauen und Unwissenden übliche, sondern es sei die »Wissenschaft der Loose« gemeint*). Interessant ist die Bemerkung zu Prov. 21 128) (der Mann des Mangels liebt die Freude). Ibn Kaspi hält das für einen umkehrbaren Satz. Denn einerseits bedeutet er: Ein Mann des Mangels wird, wer die Freude (»Wein und Öl« in der zweiten Vershäifte) liebt. Man kann aber auch sagen, daß »Mann des Mangels« das Subjekt ist. Der reiche Mann ist von seinen Geschäften und Reichtümern in Anspruch genommen; wenn er arm wird und nichts hat, womit er sich beschäftige, verbringt er seine Tage in Vergnügen und Leichtsinn und macht Lieder und Reime4 *). Diese Beobachtung, daß Armut heiter und lustig macht und auch zur Nährmutter der Poesie wird, bezieht sich wahrscheinlieh nicht speziell auf das jüdische Milieu, in dem Ibn Kaspi lebte, sondern hat allgemeinen Charakter und ist für die Bevölkerung der Provence, der Heimat der Troubadours, kennzeichnend. MK: I, 10. s) KK. I, 106: אינו מדבר על גורלות הנשים ועמי הארץ בזמננו זה דק על חכמת הגורלות. Über ח׳ הגורלות (Geomantie) s. die bei Steinschneider, Die hebräischen Übersetzungen des Mittelalters, S. 272, 858 erwähnte Literatnr. ף KK. I, HO. 4) בי האיש בהיותו עשיר טרוד בעסקיו ובאשר יעני אין לו במה יתעסק ויבלה ימיו לשמות ולצחק ולעשות שירים וחרוזות.

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