Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 4 · p. Seite 447

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 4
Article
Eine unbekannte jüdische Sekte
Date
1912-01-01
Page
Seite 447 (sequence 31)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829843-2829848-2891580--39731-2891661
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Eine unbekannte jüdische Sekte. 447 versteht S. irgend ein Bethaus im Gegensatz zu dem Zentralheiligtum der Sekte in Damaskus. Daß nur den Unreinen das Betreten der Synagogen verboten wird, ist zwar nicht auffällig, da dies mit der Halachah übereinstimmt, wie sie zur Zeit der Mischnah und in vielen Ländern bis zum späten Mittelalter in Geltung war1). Dennoch ist der Name »Haus des Sichniederwerfens« für die Synagoge höchst befremdend, denn, wenngleich in früherer Zeit auch in den Synagogen die השתחויה üblich war und erst in amoräischer Zeit eingeschränkt bezw. eingestellt wurde2), so war sie doch wohl nie ein so wesentlicher Teil des Gottesdienstes, daß sie den Bethäusern ihren Namen3) hätte ger ben können. Andererseits ist es ganz ausgeschlossen, daß כ׳ השתהות den Tempel bedeutet, da unser Verfasser mehrere Male von המקדש spricht — vgl. 5, 6; 6, 12 u. a. a. 0. — und es doch höchst unwahrscheinlich ist, daß er anstatt dessen einer so ungewöhnlichen Benennung sich bedienen würde. Will man nun nicht den Text ändern und וכל הבא אל בית י״י להשתהות lesen, so liegt es noch am nächsten, dasselbe mit dem Zentralheiligtum zu Damascus zu identifizieren, das weder ein מקדש noch ein gewöhnliches Bethaus, בית הכנסת, war, sondern die Bezeichnung בית השתהות. führte. Vgl. auch weiter unten zu 20, 10. 0 Mischnah Ber. III, 5 und Talmud das. 22; in Babylonien nahm man später dieses alte Verbot nicht mehr so streng, während iu Palästina — Jer. das. III, 6c — die alte Praxis sich erhielt; für das Mittelalter vgl. Tur und Bet-Josef, Orach Chajj. 88, sowie die sehr interessante Bemerkung in einem Briefe des Maimonides, cd. Leipzig, 1840, S. 25b, vgl. auch den Auszug aus dessen Sohnes Werke in J. Lewy’s Festschrift 45. Vielleicht beruht der z. Z. des Talmud in Babylonien übliche Brauch, die Synagogen außerhalb der Stadt zu bauen, darauf, daß man sie in der Nähe des Wassers — für Abluitionen — haben wollte. Vgl. auch Schürer, Geschichte II, 519. 2) Vgl. Meg. 22 b. 0 »Das Mesged« der Falascha ist wohl den Arabern entlehnt, allerdings kommt מסגד schon in den Assuan-Papyri vor.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.