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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 4 · p. Seite 445

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 4
Article
Eine unbekannte jüdische Sekte
Date
1912-01-01
Page
Seite 445 (sequence 29)
Language
German
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Eine unbekannte jüdische Sekte. 445 gerichtet, daß das Passalamm, obwohl kein Sabbatopfer, doch an Sabbat dargebracht werden muß. Antipharisäische Tendenz darf man jedoch auf Grund dieser Ansicht unserem Verfasser nicht unterschieben, denn aus den talmudischen Berichten über diese Lehre Hillels geht ganz deutlich hervor, daß sie zuerst auch bei den Pharisäern auf Wider- Spruch stieß1). Auch dasBuch der Jubiläen 50, 10—11 scheint gegen Hillels Ansicht gerichtet zu sein, indem besonders hervorgeheben wird, daß nur das tägliche Opfer תמיד und die Sabbatgaben, מוסף, am Sabbat dargebracht werden dürfen. 11, 18—20: אל ישלח ... לטמא. Diese, wie die folgenden zwei Vorschriften handeln zwar nicht mehr vom Sabbat, sie sind aber im Anschluß an das Sabbatopfer gegeben, da sie sich auf die Heiligung der Opfer und des Tempels beziehen. Diese erste Vorschrift muß übrigens, um richtig verstanden zu werden, mit 6, 11 ff. in Zusammenhang gelesen werden. Wie aus dieser Stelle hervorgeht, war nicht die Opposition gegen die Heiligkeit des jerusalemischen Tempels das Motiv bei der Gründung dieser Sekte, sondern gerade die große Verehrung, die von diesen Leuten dem. legitimen Tempel gezollt wurde, gab die Veranlassung zur Spaltung. Sie beschuldigten ihre Gegner, die heilige Stätte in Jerusalem nicht heilig genug zu behandeln, und ihr erster Schritt war, sich vom jerusalemischen Tempel fern zu halten, um sich nicht an der Verunreinigung zu beteiligen?) Wir dürfen nun annehmen, daß es unter der Sekte Leute gab, die wohl vom Tempel sich fern hielten, jedoch ihre Opfer durch andere zu ihm sandten8), und es ist *) Daß die Söhne Baliras, die Hillels Ansicht nicht akzeptieren wollten, keine Sadduzäer waren, steht meines Erachtens ganz fest. a) Vgl. auch 5, 6, wo den Gegnern vorgeworfen wird, den Tempel zu verunreinigen, indem sie ihn im Zustande der Unreinheit beträten, wodurch nun den Anhängern der Sekte der Besuch des Tempels unmöglich gemacht wird, da sie sonst!unreine Opfere מקריב קרבן בטומאה dargebracht hätten, was strengstens verboten ist. ’) Ähnliches berichtet Josephus von den Essäern, die nicht den

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