Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Juden in der Marienlegende
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 415 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Juden in der Marienlegende. 415 die Sache beeiden. Sodann wird der Jude gefoltert und dabei in der Folter peinlich befragt. Er bittet, man möge ihm gestatten, durch ein Gottesgericht im Zweikampf mit dem Schmied seine Unschuld beweisen zu dürfen. Da der Schmied sich freudig bereit erklärt, den Kampf aufnehmen zu wollen, so läßt der Graf bald einen Ring bilden, Schranken herführen und ihnen gleiche Waffen geben. Zum festgesetzten Tage kommt eine gewaltige Volksmenge zusammen, und der Schmied siegt über den Juden. Er hätte ihn erstochen, wenn der Graf ihm nicht gewehrt hätte, weil der Jude nicht in ehrlichem Kampfe, sondern mit Schimpf und Schande sterben müsse. Dem Schmied wurden als dem Kämpfer der reinen Gottesmutter die größten Ehren zuteil. Den Juden läßt der Graf auf einem Brett zum Halsgericht schleifen1), dort zwischen zwei Hunden an den Füßen aufhängen und zum abschreckenden Beispiel für die Juden, die so große Wunder alle Tage sehen und sich dadurch doch nicht bessern lassen, am Galgen verbrennen. An diese Erzählung knüpft der Verfasser noch eine Reihe von anderen Schandtaten an, die von den Juden begangen würden, die sich aber im Buche bereits äußerlieh als Anhang dadurch kennzeichnen, daß sie keine Bilder mehr haben. Im Umfange sind sie etwas mehr als ein Drittel der von ihm erzählten Hennegauischen Marienlegende. Die erste Zusatzschrift behandelt, »wie die verstopfften Juden das heilige, würdige Sakrament zu Schmach dem Blutvergießen Jesu Christi gegen uns Christen verachten,« und argumentiert ungefähr so: ‘) Auch in dem von Karl v. Anlira 1883 herausgegebenen Endinger Judenspiel werden die Juden zur Gerichtsstatt hinausgeschleift (S. 81 ff. u. 120), wie es damals bei Mördern im Breisgau üblich war. Nach den Akten des Falles, die noch im 18. Jahrhundert in Endingen vorhanden waren, wurden die Juden auf dünne Kuhhäute gelegt und den Pferden an die Schweife gebunden.