Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Juden in der Marienlegende
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 414 (sequence 30)
- Language
- German
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414 Die Jaden in der Marienlegende. daß er selbst es in Berlin als Jude getan habe. Ein Schmied, den ihr Hinein- und Hinauslaufen Wunder nahm, nahm einen vorübergehenden Bruder als Zeugen mit, in der Voraussetzung, daß die Juden in der Kirche stehlen wollten. Sie hielten sich beide im Hintergrund versteckt und sahen nun, wie ein Jude unter Schmähreden mit dem Spieß das Bild in die Stirn stieß und das Blut heraussprang, so daß die Juden ihre Tat zu gereuen und sich zu fürchten begannen. Der Spießer aber sagte sofort: »Der Teufel tut das sicherlich«. Der Schmidt sprang hervor und wollte mit seinem Geschirr den Juden totschlagen, aber der Bruder wehrte ihm: er solle an geweihter Stelle keinen Mord begehen, sondern am rechten Ort Klage erheben. Auf Rat des Bruders erhebt der Schmied diese bei einem Abt, der ihm rät, abzuwarten und die Sache Gott anheimzustellen. Aber nächtlicherweile erscheint dem Schmied ein Engel, der ihm im Namen Gottes befiehlt, Rache für die Schmach zu nehmen, die Marias Bild geschehen sei. Er solle deswegen zu seinem Pfarrer gehen. Der Engel verschwand, und der Schmied ging hin, seinem Pfarrer die Sache zu klagen. Der Pfarrer widerrät ihm, die Sache öffentlich zu verfolgen, da ihn voraussichtlich die Strafe treffen würde, die er dem Juden zugedacht hätte. Denn die Juden verstünden durch ihr Geld und durch große Bestechungen Recht in Unrecht zu verkehren. Er solle nur Maria selbst die Sache anheimstellen und fleißig zu ihr beten. Als er eines Nachts Maria bittet, ihm zu zeigen, wie er sich verhalten soll, erscheint sie ihm mit der blutenden Stirn und befiehlt ihm, die ihr und ihrem Kinde angetane Schmach an dem Juden zu rächen. Sie selbst sei bereits die Ursache gewesen, daß er von ungefähr Zeuge der Schmach gewesen sei. Er solle jetzt Rache nehmen. Alsbald geht der Schmied zum Grafen und erhebt Klage. Der Graf nimmt sich sofort der Sache an, läßt Bruder, Pfarrer, Abt zum versammelten Rat holen und den Schmied