Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Juden in der Marienlegende
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 413 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829843-2829848-2891579--39696-2891627- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Die Juden in der Marienlegende. 413 marer Gemälde wahrscheinlich gekannt. Von dem Gemälde war in Kolmar bei wiederholter Nachforschung nichts mehr nachzuweisen. Klassert stellt ferner nach Kraus fest, daß die Bilderreihe in Cambron spätestens am 29. November 1792 zerstört sein muß1). Aber es ist kein Zweifel, daß den Holzschnitten in der »Entehrung und Schmach« und ebenso bei Pamphilus von Gengenbach das Kolmarer Gemälde aus der Franziskaner-Kirche zum Vorbild gedient hat. Der Zweck des Buches wird in der Einleitung deutlieh ausgesprochen, vor den bösen Juden zu warnen, die der Maria so grimmig feind seien. Es soll zeigen, wie schädlich die Juden sind, und daß es eigentlich nur ein Mittel gegen sie gäbe, ihre Austreibung und Ausrottung. Was gerade die größte Ehre der Juden sein könnte, wenn sie sich nämlich zum Christentum bekennen wollten, die Zugehörigkeit der Gottesmutter zu ihrem Stamme, wird durch ihre Dummheit und Schelmerei zum Gegenteil, weil sie selbst eine Schande darin sehen und Maria bitter feindlich gesinnt bleiben. Die schändliche Geschichte, die Kaiser Maximilianus in Kolmar hat malen und in der Kirche der Franziskaner ausstellen lassen, ist im Hennegau im Osterland geschehen. Ein Ort wird nicht genannt, so wenig wie bei dem von der »Entehrung« abhängigen Pamphilus von Gengenbach. Fünf kindermörderische Juden, die an einer leeren Kirche zufällig vorübergingen, wurden von Neugier gepackt, hineinzugehen, um zu sehen, wie der Glaube der Christen aussähe, damit sie darüber mitreden könnten. Auf dem Altar stand ein Bild, wo Maria ihr Kind auf dem Schoße hielt. Die Juden fingen alsbald an, es wütend anzuspeien, und nachdem sie sich überzeugt, daß sie ohne Zeugen seien, es zu beschimpfen, wie ja auch Pfefferkorn2) berichtet, *) F. X. Kraus, Kunst u. Altertum in Elsaß-Lothringen II, 1, 243. Klassert a. a. O. S. 84. 2) Klassert zeigt, daß es sich um den Pfarrer Rapp handelt.