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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 4 · p. Seite 411

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 4
Article
Die Juden in der Marienlegende
Date
1912-01-01
Page
Seite 411 (sequence 27)
Language
German
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Die Juden in der Marienlegende. 411 Dieses wird dann nach erlangter Erlaubnis von denen, welchen es obliegt, öffentlich ausgestellt und heute, noch berühmter durch Wunder als früher, verehrt. Einige Abweichungen hat hiervon die Erzählung, wie sie Philippe Brasseur1) in seiner Hannauischen Klostergeschichte gibt. Der Jude, oder vielmehr Pseudochrist, der 1322 das Bild mit seiner Lanze blutig gestochen hat, heißt Guilielmus. Der Angeklagte blieb durch die Nachgiebigkeit des Hennegauischen Gerichtsherren (praetor) vier Jahre lang straflos, bis Maria, der fürchterlichen Schmach eingedenk, einen kraftlosen Greis zu Liptinis auswählte, der den starken Juden2 * * * *) im Duell am Stadttor von Mons niederstreckte. An dieser Stelle hat Johann Antoine, der 29. Prälat von Cambron, eine Kapelle der Cambronischen Jungfrau im Jahre 1550 errichten lassen. Nach der Nieder- Streckung des Juden hat sich alsbald die Jungfrau mit ihrem Engelgefolge sehen lassen, um dem Rächer ihrer Ehre ihren Beifall zu bezeigen. Wie bei Bourassö öfters dieselbe Legende mehreremal erzählt wird, so wiederholt er ohne Ortsangabe noch ein zweites Mal kurz die Legende von Cambron, ohne die Identität zu bemerken: War einst ein gottloser Jude, der das heilige Bild der hochseligen Jungfrau Maria scheußlich verwundete. Das sah ein gichtbrüchiger Greis, der von Eifer für Marias Ehre erglühte und, um Rache zu nehmen, durch Marias Hilfe gesundete und auf Marias Befehl den Juden zu Tode schlug8). ln zwei Gedichten aus dem Anfänge des sechzehnten Jahrhunderts ist die Marienlegende von Cambron behandelt, die beide gemeinsame Züge gegenüber andern Dar- 1J Origines omnium Hannoniae coenobiorum octo libris breviter digestae. Maioris operis primitias ed. Author (Philippus Bras• seur). Montibus 1650. S. 77 ff. ־) fortem Apellam. *) Bourasse, Summa aurea. T. 12, Sp. 1057, nach Christoph Schenck, De necess. ad salut. scient. p. II, disc. 39.

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