Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Juden in der Marienlegende
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 410 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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410 Die Juden in der Marienlegende. die ich bitte, vom Grafen gewährt wird: ja, im Namen Marias befehle ich es«. Es wird erlaubt. Da der Jude sich nicht weigert, wird der Kampfplatz hergerichtet. Die Sache wird schnell bekannt und lockt fast die ganze Stadt zu dem Schauspiel, dem edelsten, das das Jahrhundert sah. Nur im Hinblick auf die Waffen waren die Gegner gleich. Beide mit einem mäßigen Schild zur Bedeckung des Körpers, einer hölzernen Keule zum Schlagen. Das andere ungleich, Greis und Jüngling, schwach und stark, Bürgersmann und Kriegsknecht. Jedoch die Sache und die Gunst der Zuschauer eiferten Johannes an. So stieg man zum Kampfplatz hinab. Der Jude beteuert seine Unschuld und sein gutes Gewissen. Johannes ruft nur mit einem Augenzwinkern Maria an und erwartet die notwendigen Kräfte vom Himmel. Wunderbar, mit welcher Wildheit der freche Straßenräuber sich erhob, Schläge auf Schläge verdoppelt er, die Johannes bald mit seinem Schildchen auffing, bald mit der Keule pariert, bald durch eine Neigung des Körpers vermeidet. Aber wie auf dem Wege die Kräfte, so wuchs beim Kampfe selbst der Mut des Marianischen Kämpfers. Jetzt gab Johannes Gleiches zurück, stürmisch, einmal und zweimal und droht mit Gefahr. Ein glücklicher Schlag, der auf das Haupt des Juden mit voller Wucht der Keule fiel und den Schuldigen zu Boden streckte, wo er freiwillig bekannte, was in den ganzen zwei Jahren niemand geglaubt hätte. Da sagt der Graf das Ende des Zweikampfes an, der Jude wird, nachdem an Ort und Stelle das Gerichtsurteil gefällt war, dem Henker überantwortet, in einer Gabel an den Füßen zwischen zwei wilden Rüden aufgehängt und jämmerlich zerfleischt, von unterlegtem Feuer in Asche verwandelt. Nachdem so für die Ehre der Jungfrau zu Mons gekämpft worden war, da war kaum einer, der nicht schleunigst nach Cambron geeilt wäre, das Wunderbild zu schauen.