Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Juden in der Marienlegende
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 408 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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408 Die Juden in der Marienlegende. Beil gegen das Haupt des Bildzerstörers, um ihm den gebührenden Lohn für seine Missetat heimzuzahien, als ihn der andere, ein frommer Laienbruder, zurückhielt, damit er der schwereren verdienten Strafe nicht entgehen sollte. Inzwischen eilt die Kunde durch das Kloster, man stürzt herbei, sammelt das heilige Blut und stellt es der (einstweilen privaten) Verehrung aus. Zu öffentlicher Verehrung wurde noch nichts vom verehrungswürdigen Abt vorbereitet. Der Jude, von den Beiden zur Rechenschaft gezogen, trug dem Gericht seine Meinung dahin vor, daß der Überfall von den frommen Brüdern erfunden, welche nach Reichtümern und dem Zulauf der Volksmassen Begehr trügen. Der Jude sei den Brüdern verhaßt, das Blut künstlich gemacht, die Weherufe erdichtet. So wurde der Schmerz der Brüder noch größer durch die Schmach, die noch dazu eine öffent״ liehe war, weil sie ihnen vor aller Welt zugefügt wurde. Nun lag zu Estinne seit bereits sieben Jahren ein Vlame Johannes, ein Mann von mindestens siebzig Jahren, in seinem Bette, zwar noch nicht von der Auflösung berührt, aber an allen Gliedern gelähmt und vorbereitet auf den Tod, den er häufig im Munde, immer in Gelübden führte, täglich und stündlich. Diesem zeigte die Gottgebärende Jungfrau in ihrer Herrlichkeit im Schlaf, was ihr von dem Juden zu Cambron zugefügt sei, mahnt ihn und befiehlt ihm, nach Mons zu gehen, den Juden öffentlich herauszufordern und ihre Ehre im Zweikampf, da es vor Gericht unmöglich sei, zu verteidigen. Der Kranke ruft seinen Ortspfarrer, erzählt ihm das Gesicht, fragt ihn, was er tun solle. Aber der befiehlt ihm, die Fabeln zu lassen und den Träumen keinen Glauben zu schenken. Aber in der nächsten Nacht kommt die Jungfrau wieder und heischt es strenger. Und Johannes berichtet dem Pfarrer die neuerliche Erscheinung. Das sei kein Wunder, meint jener, wenn ein Traum dem andern folge, das können auch Gänse und Kraniche. Wenn er aber ein drittes Mal wiederkehren sollte, dann wolle er