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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 4 · p. Seite 407

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 4
Article
Die Juden in der Marienlegende
Date
1912-01-01
Page
Seite 407 (sequence 23)
Language
German
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Die Jaden in der Marienlegende. 407 Das vornehme und alte Kloster des H. Bernhard zu Cambron im Hennegau, enthält ein durch seine Herkunft und seine Wunder von Alters her berühmtes Bild der seligsten Jungfrau. Als nun im Jahre 1322 ein Jude von den Seinen zu den Christen überging und durch das Wasser der Taufe besprengt wurde, (denn er heuchelte nur den Glauben, nahm ihn aber nicht.an), und schon als Kandidat unter die Bewaffneten des Grafen von Mons gezählt und zum Wachtdienst am Tore des Palastes bestimmt wurde, so legte er häufig den Weg nach und von Cambron zurück, wobei er stets von den Klosterleuten gastlich aufgenommen wurde. Man glaubte, daß er, wie das vorkommt, ein Christ sei, und so wurde er jedesmal mit jener Liebe aufgenommen, die bei den Christen Brauch ist, und zu der sie sich gebunden fühlen. Hier an diesem Orte stand nun an der Wand ein Bild aus rotem Ton von vorzüglicher Arbeit, das Jesus darstellt, wie er auf dem Schoße seiner Mutter von den Königen angebetet wird. Die Ehrung der Jungfrau und ihres Sohnes stachelte das gottlose Herz, so daß er manches und vieles erwog, einiges auch beschloß. Aber in Gegenwart anderer war es ihm peinlich, das Gedachte zu vollbringen. Als er sich aber zufällig allein und ohne Zeugen bemerkte, schwang er die Hellebarde, die er als Zeichen seines Amtes führte, zwei drei Male gegen das Bild und verletzte schändlicherweise das Tonbild, um mit der Mutter, wenn er es könnte, zugleich Jesus zu verwunden. Sogleich floß aus den Wunden ein Blustrom. Ja, Wehgeschrei und Jammerruf erscholl aus dem Bilde so laut, daß es zu den Ohren der Leute drang, die draußen im Vorhof mit Holzarbeiten beschäftigt waren. Beide (es waren nämlich zwei) rannten sofort herbei, durch die gewaltigen Stimmen herbeigerufen, und stellten die Sache in ihrem Verhalte fest. Sie sahen auch die mit Blut besudelte Lanze und den Juden, der sie in der Hand hielt, in schrecklicher Furcht erstarrt. Und schon schwang der Zimmermann sein

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