Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Juden in der Marienlegende
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 406 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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406 Die Juden in der Marienlegende. Marienlegende, die ein von jüdischer Hand verletztes Marienbild zum Gegenstand hat, in die spätere Literatur den Weg gefunden. Dieses Kloster Cambron stand überhaupt von Anfang an unter der ganz besonderen Fürsorge der heiligen Jungfrau, so daß es ganz verständlich erscheint, wenn man die Gottesmutter hier persönlich zum Schutze ihres uralten Tonbildes eingreifen zu sehen glaubte. Schon dem zweiten Cisterzienserabt Fastrfede war die heilige Jungfrau im Jahre 1148 zu Cambron erschienen1). Er hatte sich dem Amt als Abt, zu dem er erwählt worden war, durch die Flucht entzogen. Beim Gebet zur Jungfrau geriet er in Verzückung und sah die Jungfrau-Mutter, den kleinen göttlichen Sohn auf dem Arm, den sie ihm hinhielt, er solle ihn sorgsam hüten. Fastrfcde verstand die Stimme Gottes und nahm das ihm von seinen Brüdern angetragene Amt an®). In die Blütezeit des Marienkultus fällt das zweite große Wunder, das Maria in Cambron vollbringt, durch das der Wallfahrtsort noch mehr als früher zu ganz besonderem Ruhm gelangt und mächtiger noch als ehedem Pilger und Fromme an den Ort lockt, an dem man die ganz besondere Nähe der hilfreichen Mutter Gottes fühlt und kennt. Da diese Erzählung in einer Reihe von verschiedenen Berichten vorliegt, und ältere Berichte nicht zu erreichen waren, so sei hier zuerst die Erzählung wiedergegeben, wie sie vom Jesuiten Gumppenberg3) nach Robert von Hautport, Philippe Brasseur und Friedrich Former berichtet wird: *) Rohault de Fleury, La Sainte Vierge, T. 1, 1878, S. 320. a) Ebenda. T. 2, 1878, S. 472. a) Ouil. Gumppenberg, Atlas Marianus sive de imaginibus Deiparae per Orbem Christianum miraculosis, Liber I, Ingolstadii, G. Haenlin. Anno ä partu Virgineo 1657 [d. i. 1642]. S. 154—161. Auf den Gumppenberg’schen Bericht geht die Wiedergabe bei Corvin, Die Goldene Legende. Eine Naturgeschichte der Heiligen. Bern 1877, S. 481-483, zurück.