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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 4 · p. Seite 404

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 4
Article
Die Juden in der Marienlegende
Date
1912-01-01
Page
Seite 404 (sequence 20)
Language
German
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404 Die Jaden in der Marienlegende. ihrer Dummheit überzeugt. Daß sie sich von der Wahrheit des Christentums nicht überzeugen ließen5 legte man ihnen teils als Dummheit, teils als Bosheit oder als beides aus. Die Wunder der Legenden haben den Zweck, den Glauben zu bekräftigen. Die Legende vom Judenknaben im feurigen Ofen erzählt Gregor von Tours ausdrücklich »ad corroborandam fidem Catholicam«. In der Volkssage, die am allermeisten den Juden zu ihrem Gegenstände hat, in der das zum ruhelosen Wanderer gewordene Judenvolk den Spiegel seines Frevels und seines Geschicks erblicken sollte, in der Sage vom ewigen Juden, spielt die Bekräftigung des christlichen, also des katholischen Glaubens, eine nicht unbedeutende Rolle. Sie geht direkt in ihrer Entstehung auf die buchstäbliche Auslegung des Matthäusverses zurück: »Wahrlich ich sage euch: es stehen etliche hier, so den Tod nicht schmecken werden, bis sie des Menschen Sohn kommen sehen in sein Reich.« Vom ewigen Juden heißt es im deutschen Volksbuch, daß er darüber nachdenke, »ob er (Gott) jn villeicht biß an Jüngsten tag als ein lebendigen zeugen des Leiden Christi zu mehrer vberzeugung jhn Gottlosen vnd Ungleubigen, also erhalten wolle«, und Carl Anton in seiner »Commentatio historica de Judaeo immortali« läßt den Ahasverus »wider die Juden einen lebendigen Zeugen abgeben, dadurch die Ungläubigen und Gottlosen alle, welche sich zwar Christen nennen, an das Sterben Christi zu erinnern und sie zur Buße möchten bekehret werden.« So war dieses Motiv der Bestätigung des Glaubens durch Zeugen und Wunder mächtig genug, um die Legenden und Sagen zu bilden, auch ohne das gewiß oft recht wirksame Motiv, Wallfahrtsstätten zu schaffen, die der Kirche und ihren Dienern reiche und unversiegliche Einnahmequellen wurden. Die Heilung der Kranken durch Wunder, der Lahmen und Blinden von ihren Gebrechen, gehören zum ständigen Inhalt der Wundergeschichten. Es gab aber ganze

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