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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 4 · p. Seite 403

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 4
Article
Die Juden in der Marienlegende
Date
1912-01-01
Page
Seite 403 (sequence 19)
Language
German
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Die Juden in der Marienlegende. 403 vertrieben und sie sich als Kriegsgefangene und kaiserliche Sklaven einverleibt hätte. Das Neue Testament ist keineswegs in seinem Grundton judenfreundlich, wenn auch gelegentlich Jesus und auch Paulus die Eigenschaft des jüdischen Volkes als Gottesvolkes betonen, das Gott nicht verstoßen habe. Aber die Nachfahren, deren Judenhaß auch durch die Erzählungen des Neuen Testaments mit genährt wurde, fanden nicht genug daran in ihm. So waren es die nichtjüdischen Kriegsknechte des Landpfiegers, die Jesus verspotteten, schlugen und anspieen, und ihm Essig mit Galle vermischt zu trinken gaben1). Als der Sabbath nach Jesu Kreuzigung nahete, zerschlug man die Gebeine der beiden zugleich gekreuzigten Schächer; Jesu aber, der schon gestorben war, öffnete ein Kriegsknecht mit einem Speer die Seite, da ging Blut und Wasser heraus2). In einem dem berühmten Kirchenliede »Stabat mater dolorosa« des Jacopone de Benedictis (gest 1306) nachgebildeten deutschen Kirchengesange heißt es: »Das ist Kristi Prust und Hercz, Ain Jud mit ainem scharfen Spere Frömd durchstach: awe der sere Und des pittern großen Smercz!« Hier ist also bereits ein Jude an die Stelle des römischen. Soldaten getreten. In Judas, der Christum verriet, wurde eine Personiffkation des Judenvolkes erblickt, und noch heute wird der Name Judas benutzt, um Juden zu schmähen. Dabei traute das abergläubische Mittelalter den Juden vor allem Aberglauben zu und war einerseits von ihrer Schlauheit und geistigen Überlegenheit, andererseits aber gleichzeitig von ■) Matth. 27, 27—34; Marc. 15, 16-36; Luc. 23, 36. Vgl. aber Brüll in Jahrb. f. jüd. Oescb. u. Litt. Jg. 1, S. 37 u. Der talmud TractatEbel rabbathi oder S’machoth, bearb. v. Moritz Klotz, H. 1, 1890, Antn. zu S. 30. s) Ev. Johannis 19, 34. 26*

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