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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 4 · p. Seite 401

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 4
Article
Die Juden in der Marienlegende
Date
1912-01-01
Page
Seite 401 (sequence 17)
Language
German
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Die Juden in der Marienlegende. 401 iunckfraw und mutter gots bey im were und hette im den dawmstock abgenohmen.« Die Knechte sehen erstaunt, daß der Jude frei und ledig sei. Der Reitknecht schloß den Stock von neuem und band ihn hart zu. Aber »der iud hat angezeyget, daß maria die mutter gots vor im stehe«; ebenso fragt er wiederholt den hinter ihm fahrenden Pfarrer von Rossau, »ob er nicht die schöne iunckfraw in dem forth sehe dohin geen«. Keiner hat etwas gesehen, aber man verkettet und verschließt ihn nun mit ganz besonderer Sorgfalt. Jedoch bald kann Jakob von neuem melden, daß er durch der Jungfrau Hilfe wieder der Fesseln ledig sei. Dann ist sie ihm auch in der Kapelle erschienen. Das alles hat nur er gesehen. Aber es genügt ihm, sich taufen zu lassen, um den Quälereien und dem Feuertode zu entgehen. Jedenfalls hat er seine Rolle gut und ganz im Geist seiner gläubigen Umgebung gespielt. Daß der Jude Jakob von Brandenburg trotz des Mißtrauens des Brandenburger Bürgermeisters Glauben findet, ist bei der Gläubigkeit seiner Zeit durchaus verständlich. Wenn heute die Tendenz vorherrscht, den Verlauf der Judengeschichte in Deutschland lediglich aus Wirtschaftliehen Motiven zu erklären, so liegt hier die natürliche Überwertung einer Seite der mittelalterlichen Judenfrage vor, die früher vielleicht über Gebühr unterschätzt wurde, ln den zeitgenössischen Berichten tritt der Vorwurf des Wuchers gegen die Juden erst sehr spät hervor, als nämlich diese auf Grund der religiösen Vorstellungen bereits seit Jahrhunderten verfolgt waren, und der ganz geringe Rest, der noch im Lande verblieben war, auf das Zinsnehmen als den einzigen erlaubten Erwerb zurückgedrängt war. Aber auch dann noch tritt in der öffentlichen Agitation gegen die Juden dieses Moment gegen die religiösen Triebkräfte völlig zurück, um so mehr, als für das Mittelalter der Begriff der Nation in dem der Religion völlig aufgeht. 26 Monatsschrift, 56, Jahrgang.

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