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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 4 · p. Seite 399

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 4
Article
Die Juden in der Marienlegende
Date
1912-01-01
Page
Seite 399 (sequence 15)
Language
German
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Die Juden in der Marienlegende. 399 von ainer Schwangeren Jüdin zu Binzwangen, vir meil von Augspurg, welche kürzlich den 12, Decembris, des nächstverschinenen 74. Jars, an statt zwaier Kinder zwai leibhafte Schweinlin oder Färlin gepracht hat. Eine andere 1599 in Wien gedruckte Zeitung1) berichtet, welcher gestalt zween falsche Juden, durch Zauberey zuwegen gebracht, daß vil tausent Stück Vihe hingefallen vnnd gestorben ist. Die Zeit die so Vieles glaubte, glaubte von den Juden Alles. Der Haß gegen die Juden äußerte sich auch darin, daß man jüdischen Ärzten mißtraute und ihnen die Aus- Übung ihrer Kunst unmöglich machen wollte. Bereits Gregor von Tours hält beständiges Fasten und Beten für das wirkliehe Mittel, durch das Leunast, Archidiakon von Bourges, vom grauen Star geheilt wurde. Der heilige Martin war es, der ihm sein Augenlicht am Martinstage wieder gegeben hatte. Als er einen jüdischen Arzt dann doch noch zu Rate zog, erblindete er wieder und blieb unheilbar. »Er wäre gesund geblieben, wenn er sich nicht nach Gottes Wundertat noch an die Juden gewendet t. hätte«2 *). Bezeichnend ist außerdem für die Anschauungsweise des frommen Gregor von Tours, daß ihm der jüdische Arzt und die Juden gleichbedeutend sind. Auch Johannes Pfefferkorn8) hält es für geboten, die jüdischen Ärzte als Quacksalber anzuschwärzen, die dem Leben ihrer christlichen Patienten gefährlich würden. Dieser Haß gegen die Juden fließt vor allem aus den Glaubensanschauungen und der katholischen Auffassung besonders der Passionsgeschichte. Auch bei dem Strafverfahren gegen die Juden der Mark Brandenburg im Jahre 1510, das in seinen Folgen 1J Ebenda. Nr. 864. S. 360. Aber genau dieselbe Wundergeschichte berichtet Ludwig Bechstein in seinem Thüringer Sagenbuch, 2. Aufl., Bd. 1, Leipzig 1885, S 15 f. als lebendige Volkssage aus Coburg. 2) Oregorius Turonensis, Historia Francorum, V, 6. *) Pfefferkorn, Hostis Judaeorum, 1509.

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