Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Juden in der Marienlegende
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 397 (sequence 13)
- Language
- German
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Die Juden in der Marienlegende. 397 über den Bilderaberglauben der katholischen Kirche hoch erhaben dünkte, doch auch dieselben gleichen Anschauungen aus der antiken Welt her durchschimmern, und wie vorher katholischen Mittelalter, nachklingen1). Die Legenden wurden nicht für Sagen oder Gleichnisse, sondern für wirkliche Ereignisse genommen. Wenn die Väter des siebenten ökumenischen Konzils über die Vorlesung des angeblich athanasianischen Berichts über das blutende Christusbild in Beirut Tränen vergossen, so zeigt das, daß sie es für den Bericht über eine Tatsache annahmen. Die verschiedenen judenfeindlichen Schriften haben stets dieselben legendären Argumente. Die Historiker wie Nauclerus, Abelin u. s. w. nehmen sie unbesehen als wohlverbürgte geschichtliche Tatsachen in ihre Weltgeschichten auf. So kommt es, daß diese Legenden, die in allen Predigten widerhallen, das Volk, unter dem die Juden leben, seelisch beeinflussen und jenen aus dem Dogma der Verwerfung Israels fließenden Judenhaß nähren und auffrischen. Und je mehr Maria der Mittelpunkt eines großen und innigen Kultus wird, um so schwerer fällt die Wucht des Hasses auf die, welche angeblich nach vermeintlich geschichtlicher Überlieferung die Bilder der reinen Gottesmutter schmähen, beschimpfen und verletzen. Rohault de Fleury hat seine Erzählungen von den Erscheinungen der Jungfrau Maria hauptsächlich von Sausseret entnommen, der sie aus Gono und Molin, Courcier, Poirö, Argentan, Ferry de Locres, Branche, de Barry u. a. gesammelt hat Rohault de Fleury sagt, es sei gar nicht *) Scho ep ff er, Justus, Lutherus Non Combustus sive historica enarratio de D. M. Luthero ejusque imagine singulari providentia Dei duplici vice ab igne miraculose conservata . . . Cum praet Martini Chladeni. Wittembergae 1717. Davon erschien auch eine deutsche Übersetzung: Justi Schoepffers Unverbrandter Luther oder Historische Erzehlung von D. Martino Luthero und dessen im Feuer erhaltenen Bildniß. Wittenberg 1718.