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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 4 · p. Seite 395

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 4
Article
Die Juden in der Marienlegende
Date
1912-01-01
Page
Seite 395 (sequence 11)
Language
German
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Die Juden in der Marienlegende. 395 windlicher Hartnäckigkeit und erschrecklicher Wildheit verbänden. Sie gäben sich den wilden Türken gegenüber als rasendere und wildere Hunde. Er selbst freilich zitiert Talmud und Talmudisten in einer Weise, daß man jedesmal sieht, daß er sich da mit Kenntnissen schmückt, die er nicht hat. Darum kann er auch ohne weiteres die bezeichnende Behauptung aufstellen1), daß die Hebräer jenes Mysterium der jungfräulichen Geburt als eine Tatsache gekannt, es gleichwohl aber betrügerischerweise verheimlicht, schlau unterdrückt und hartnäckig geleugnet hätten. Daß auch heute noch der Aberglaube an die Mißhandlung von Marien- und andern Bildern fortbesteht, und daß noch heute »eine Anzahl eifriger Geistlichen nachhilft, Wallfahrtsorte für lange Zeit Früchte treiben zu lassen,« darf kein Wunder nehmen, wenn man sieht, wie der gelehrte Jesuit Stephan Beissel, von den Wallfahrtsorten schreibt2): ״sie begannen, weil ein von rohen Gesellen mißhandeltes Bild Blut vergoß, z. B. die hölzerne Statue zu »Neukirch beim hl. Blut« in Oberdeutschland, das Vesperbild Amerongen bei Utrecht, das oben erwähnte Wandgemälde auf dem Rupertsberg zu Bingen, ein Tonrelief der Anbetung der Könige zu Cambron in den Niederlanden (1322), ein Marienbild »zu dem heil. Kreuz« in Mainz (14. Jahrhundert.)“ Wenn uns Hosmann und viele andere zeigen, daß der Protestantismus wenigstens zum Teil die Feindschaft gegen Juden und Judentum aus dem katholischen Mittelalter übernommen und fortgeführt hat, so kann man auch im Allgemeinen den Nachklang katholischer und durch den Katholizismus weitergeführter antiker Vorstellungen im protestantischen Teile Europas vernehmen. Dennoch sieht l) Ebenda. s) St. Beissel: Die Verehrung U. L. Frau in Deutschland 1896. S. 112.

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