Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 4 · p. Seite 394

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 4
Article
Die Juden in der Marienlegende
Date
1912-01-01
Page
Seite 394 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2829132-2829843-2829848-2891579--39677-2891608
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

394 Die Juden in der Marienlegende. sich endlich dazu herbei, zu erklären, daß er sich mit seinem ganzen Hause wolle taufen lassen, wenn er ihn am andern Morgen noch am Leben finde. Das Wunder geschieht. Basilius verläßt das Bett, tauft in der Kirche den Juden, legt sich wieder nieder und entschläft zu ewigem Schlummer1). Die^Christen hatten das Bedürfnis, zu glauben, daß die Juden zwar von der Wahrheit der christlichen Lehre überzeugt seien, daß sie aber diese Überzeugung aus Bosheit und Verstocktheit nicht eingestehen. So erzählt Hosmann nach Gisbertus Voetius, daß man Beispiele dafür habe, daß wenn ein sterbender Jude in den letzten Zügen läge, »ein Tüchlein mit solchem Christen-Blute eines unschuldigen Kindes benetzet, dem Sterbenden über das Gesicht gestrecket, mit diesen Worten, die sie ihm ins Ohr gesprochen: »Wenn Jesus der wahre Messias ist, so soll das Blut dieses unschuldigen Christen, der auff seinen Heiland gestorben ist,dir gedeyen zum ewigen Leben«. Der Protestant Hosmann bekräftigt dies durch die Beobachtung, daß Prediger Lochner in Fürth öfters bemerkt habe, daß Rabbiner und Andere sterbenden Juden etwas ins Ohr geraunt haben, ohne daß er verstanden habe, was man da sagte2). In seinem großen theologischen Werke »Summa aurea de laudibus beatissimae virginis Mariae« macht Jean-Jacques Bourassö* *) den Juden Vorwürfe über ihre Blindheit bei sehenden Augen, daß sie als williges Werkzeug des Satans bis auf den heutigen Tag die treibende Ursache seien, die Jungfräulichkeit Marias anzuzweifeln, und daß sie dadurch auch diedamitimZusammenhange stehenden Ketzereien veranlaßt hätten. Diese Blindheit sei um so unentschuldbarer, als sie diese ihre schnöde Unwissenheit mit unüber- *) Vita S. Basilii. Cap. 6. *) Sigismund Hosmann, Das sc'iwsr zu bekehrende Juden Hertz. Zelle 1699. S. 275. *) Bourasse a. a. O. T. 8, Paris 1862, S. 837 ff.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.