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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 4 · p. Seite 393

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 4
Article
Die Juden in der Marienlegende
Date
1912-01-01
Page
Seite 393 (sequence 9)
Language
German
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Die Juden in der Marienlegende. 393 Kirchen und Kirchhöfe, die darin Begrabenen und die Heiligen »wie der Pfefferkorn zü Berlin in der hoffstuben gesagt zä S. Christopheis bildnuß: Du langer schalck | was trägst du für ain hürenkind.« Im Anschluß daran erzählt Eck noch zwei weitere Verletzungen der Christusbilder aus den Zeiten des Papstes Pelagius und des Kaisers Phokas ohne Angabe einer Quelle: So hat zü Zeiten Pelagii des ersten ain Jud das crucifixbild haimlich mit ainer wär durch stochen : da ist blüt heraußgangen | vnd den Jude bespretzt: do diß die Christe gesehe | do habe sie jhn verstainigt. Anno 587. dan die Christe gienge de blüt tropfen nach biß sie dz crucifix funde Vnder de Kaiser Phoca hat ain Jud auf de feld mit aine spies das crucifix durch rent: da ist wunderbarlich blüt herauß gerunne: das auch auf den Juden das blüt spritzt | dar durch er ergriffen | vnd getödt ward. Anno Domini. 614. Die Marienlegenden fließen, wie wir an einigen der erzählten sahen, oft in gleichgeartete Christuslegenden über. Sie alle sind fromme Volksdichtungen, die oft und wohl meist ohne Tendenzmacherei entstanden, die aber darum nicht minder unbewußt die herrschende Geistesrichtung zum Ausdruck bringen. Diese aber gilt ausschließ״ lieh der Kräftigung und Bekräftigung des Glaubens. Die Wunder geschehen, um den Glaubensinhalt zu bestätigen. So geschehen ganz besondere Zeichen und Wunder, teils um die starre Ungläubigkeit der Juden bloßzustellen, teils um einzelne im Gegensatz zu ihrem gottesmörderischen Volke brave Juden durch Bekehrung zur seligmachenden Kirche von den ewigen Höllenqualen zu retten. So lesen wir in dem Leben des heiligen Basilius, daß dieser seinen wackeren jüdischen Arzt Joseph zum Christentum nicht zu bekehren vermochte.. Als Basilius aber dicht vor dem Sterben war, und Joseph bereits dies gesagt hatte: »eine Sonne wird heute mit der andern untergehen«, läßt dieser

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