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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 4 · p. Seite 391

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 4
Article
Die Juden in der Marienlegende
Date
1912-01-01
Page
Seite 391 (sequence 7)
Language
German
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Die Jaden in der Marienlegende. 391 Adhemar von Chabanais erzählt, daß Aymeri, Vicomte de Rochechouart, bei einer Reise nach Toulouse seinen Kaplan Hugo, der ihn begleitete, beauftragt habe, die gebräuchliche Zeremonie, einem Juden beim Osterfest eine Ohrfeige zu geben, auszuführen. Er fügt hinzu, daß der Schlag so heftig war, daß Hirn und Augen des Juden zur Erde flogen, und dieser sofort das Leben aushauchte. Dies geschah vor der Kirche Saint-fitienne. Im Leben des heiligen Theodard, Erzbischofs von Narbonne, einer sehr phantastischen, Widerspruchsreichen und unzuverlässigen Quelle, wird dieser Toulouser Brauch auf Karl den Großen zurückgeführt, der seiner Zeit die Juden dazu verurteilt haben soll, an den drei Hauptfesten des Jahres vor der Tür der Kathedrale geohrfeigt zu werden, weil sie vormals die Stadt den Saracenen ausgeliefert hätten. Nun haben freilich die Saracenen Toulouse niemals eingenommen. Der historische Vorwand für den im 11. Jahrhundert bezeugten Brauch, Juden am Ostertage öffentlich zu ohrfeigen, ist unbekannt. Desselben Brauchs rühmt sich eine ganze Reihe von Städten. Er ist ein Ausfluß der Frömmigkeit und war »pour ainsi dire un accessoire 0blig6 des cöremonies de la semaine sainte»* 2). ln Toulouse wurde die Ohrfeigenzeremonie im 12. Jahrhundert durch eine Abgabe abgelöst, die von den Juden in der Vorstadt von Toulouse alljährlich zu Nutz der Kanoniker von Saint- Saturnin zu hinterlegen war3). Außerdem zahlten die Toulouser Juden vom Ende des 12. bis Mitte des 14. Jahrhunderts eine jährliche Steuer von 44 (damaligen) Pfunden Wachs für die Altarkerze am Osterfest. Von Johann Ecks4) Ains Judenbüechlein ist das 20. Kapitel der Schmach undUnehre gewidmet, die von Juden den x) Ci.Devic et J. Vaissette, Histoire generale de Languedoc. T. 3. Toulouse 1872. Livre XIII. S. 252. nach Adhemar S. 177. ä) Emile Mabille hei Devic et Vaissette a. a. O. in der Note. *) Catel: Memoire de l’histoire de Languedoc. S. 520. 4) Joh. Eck, a. a. O. Bl. 7! ff.

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