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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 4 · p. Seite 389

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 4
Article
Die Juden in der Marienlegende
Date
1912-01-01
Page
Seite 389 (sequence 5)
Language
German
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Die Juden in der Marienlegende. 389 Die Synagoge wurde in eine Kirche verwandelt und das wunderbare Blut und Wasser durch die Christenheit verschickt. Einige sagen, das sei unter Konstantin V. geschehen. Eck meint dazu: »so müßt aber einander Athanasius sein, der diß beschriben het«. Diese Legende vom blutenden Wunderbild ist tatsächlich nicht von Athanasius1), wenn sie auch Jahrhunderte lang als sein Werk galt und die Väter auf dem zweiten Nicänischen Konzil nach dem Zeugnis des cyprischen Bischofs Konstantin mit Tränen die Vorlesung des Buches mit anhörten und keinen Zweifel an der Autorschaft des Athanasius hatten. In Siegeberts Chronik ist die Erzählung als eine gleichzeitige gegeben, indem er verschiedene Konstantins zusammenwirft. In Schedels Weltchronik durchsticht der Jude ein an einem Bache stehendes Kruzifix mit dem Spieß2). Er wird gesteinigt. Die ohne Ortsangabe von Nauclerus erzählte Mißhandlung des Christenbildes ist hiermit ursprünglich identisch. Ungefähr um das Jahr 468 hat ein Jude den Christen zur Schmach ein Christusbild mit der Lanze durchstochen, und alsbald floß in reichem Strome Blut heraus. Dieses Wunder erschreckte ihn, und er stellte, damit das Blut nicht verloren ginge, ein Gefäß unter die Wunde. Viele benutzten es und wurden dadurch gesund. Die Juden bekehrten sich zu Christi Glauben und berichteten dies Wunder dem Bischof, von dem sie getauft wurden. Das Blut aber, weit und breit versandt, kam nach Mantua, wo sein hoher Wert wegen der vielen Wundertaten zur Geltung kam. Der Kaiser Karl hat später vom Papst Leo deswegen bestätigende Kunde erhalten3). *) Patrologia Graeca, ed. Migne, XXVIII, 795—806. s) Hartmann Sch edel, Liber Chronicorum 1493. Fol. CXLIX, siehe dort die Illustration. ,)Johannes Nauclerus, Chronicon. Gen. XXVII. Coloniae 1564. T. 2. S. 42 f.

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