Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 383 (sequence 3)
- Language
- German
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Besprechungen. 383 läge der Einzelnen drei Klassen zählte, und die Ablösung von den öffentlichen Arbeiten (Straßen-, Kasernenbau etc.) »Komorra«. Diese Steuern waren nicht pauschaliert und der Gemeinde auferlegt, sondern wurden voh jedem Einzelnen eingehoben. Der Gemeinde zur Last fiel die Instandhaltung des Quartiers, in dem der Vali wohnte, wenn er aus seiner Residenz in Travnik zur Inspektion oder zu anderer Gelegenheit nach Sarajevo kam. Dazu kam auch seine und seiner Dienerschaft Versorgung. In allen diese Ausgaben teilten sich die Juden mit den Christen. Ein solcher hoher Besuch war für die Juden eine teuere Ehre. Eine Liste der Kosten eines solchen Besuches aus dem Jahre 1838 füllt 4 Seiten und enthält 70 Posten, darunter manch? hohe, andere interessante z. B. 40 Groschen als Verlust beim Wechseln der Münzen des Pascha (dieser Posten kommt einigemale vor); 900 Gr. dem J. Baruch ä conto der 3333 Groschen Reisekosten des Vezir. Der genannte Baruch hatte also die ganze Summe der Gemeinde geliehen, Posten wie 5 Gr. für den Verlust eines Hammers, 51 Gr. für ein Stück Leinwand, das sich der Pascha als Muster nahm, und nicht wieder zurückstellte, beweisen wie auch die Machthaber in Bosnien das Geld der Juden nicht schonten. Es kamen auch außerordentliche Erpressungen vor. Einmal kamen die Moslimen den bedrängten Juden zu Hilfe (1819) und befreiten mit Waffengewalt die eingekerkerten Juden, die als Geißel für die geforderte 1]2 Million Groschen in Haft waren. Ein andermal (1834) mußten die Juden verschiedener falscher Beschuldigungen wegen 104.000 Gr. bezahlen (»hätten wir noch gar manche andere Kleinigkeiten aufgezeichnet, so würden diese wenigstens die Hälfte der angegebenen Summe ausmachen«), hatten jedoch die Genugtuung, daß der erpresserische Pascha bald seiner Stelle enthoben wurde. Für kleinere Geldstrafen gab es öfter Gelegenheit, so im Falle Jüdinnen, den reichen bosnischen Frauen gleich, gelbe Stiefel trugen, oder wenn jemand in der Stadt sich erkühnte, auf einem Pferde zu reiten, Waffen zu tragen usw. Interessant ist, daß sich auch der Henker eine Einnahme von der Judengemeinde sicherte, indem er die Justifikation einmal vor dem Ghetto vollziehen wollte. Ais er dann durch Geldgeschenke von seinem Vorhaben abgebracht wurde, führte er diesen Loskauf für jeden Fall usw. So gäbe das Gemeindeprotokoll eine Statistik der Hinrichtungen in Sarajevo. — Solche Auslagen konnten nicht gedeckt werden aus den Normaleinnahmen der Gemeinde, welche 1740 etwa 140 Kronen betrugen. Später erreichten sie die Summe von 500 Kr. (1790), ja sogar 8—9000 Kr. (1840). Demgemäß war auch das Gehalt des Rabbiners 18, sage: achtzehn, Kronen jährlich (1740). Sicherlich mußte der erste Würdenträger der Gemeinde