Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 384 (sequence 4)
- Language
- German
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384 Besprechungen. noch ansehnliche Nebeneihnahmen haben, denn von diesen Gehalte konnte er nicht leben, trotzdem die Lebensmittel in »dieser guten alten Zeit« sehr billig waren: z. B. eine Oka (l1/* Kgr. oder Lit.J Rindfleisch kostete 3 Heller, Milch 8*0 =־ Heller, Butter 29 Heller, Brot * 2 Heller. Man konnte also den Tagesbedarf auf dem Markte mit JO Heller besorgen. Unter den Rabbinern, zumeist Ausländern, ist keiner von besonderem Rufe und wissenschaftlicher Tätigkeit. David P a r d 6 (1768), Verfasser eines Mischna-Kommentars שושנים לדוד) und anderer ähnlicher Werke, gründete eine »Jeschibah«, und Moses Perera wurde 1839 durch einen Ferman zum Landesrabbiner ernannt (Chacham- Baschi). Dieser Ferman bestimmt den Rechtskreis des Chacham- Basehi, der nur vor dem Divan in Konstantinopel verklagt werden kann, und den Preis für die Verleihung der Würde (125 Gr. 21 Kronen). Wie schon erwähnt gravitierten die Sarajevoer Kaufleute nach Venedig. Für dieses Handelsrecht mußten sie der Republik 300 Lire entrichten (1773). Das besorgte ihr Kommissionär. Mit dem Falle Venedigs fiel diese Beschränkung. Als nach dem Sturze Napoleons Venedig diese Steuer wieder forderte, schritten die Sarajevoer Kaufleute dagegen ein und beschlossen, sich auch gegen eine solche eventuelle Handelssteuer in Wien zu wehren. Nebst dem Handel trieben die Juden auch verschiedene Gewerbe. Viele befaßten sich mit der Arzneikunde. Diese »Hekims«, auch Apotheker, waren keine geschulten Mediziner. Der erste europäische Arzt war im vorigen Jahrhundert Isak Effendi, und sein Sohn Salomon, die in großem Ansehen standen, letzterer war auch Mitglied des von Midhat Pascha einberufenen Parlaments (1877). Über das geistige Leben der Juden in Sarajevo können diese Quellen keinen Aufschluß geben. In diesen Jahrhunderten (XVI—XVIII) blühte doch auch anderswo nicht das geistige Leben, geschweige denn in dieser von der jüdischen Außenwelt gewissermaßen isolierten Gemeinde am Balkan, wo das Judentum immer mehr versumpfte und der Kabbala zum Opfer fiel. Den Wert des Büchleins erhöhen 29 Illustrationen, von denen besonders diejenigen über die Tracht von kulturhistorischem Werte sind, da die alte spaniolische Tracht mit der Zeit verschwindet und der europäischen Mode die Herrschaft überläßt. Agram. G. Schwarz. Unberechtigter Nachdruck ans dem Inhalt dieser Zeitschrift ist untersagt. Für die Redaktion verantwortlich: Dr. M. BRANN in Bresiaa. Druck von Adolf Alkalay & Sohn in Preßburg.