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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 3 · p. Seite 377

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 3
Article
Die Grundlagen einer jüdischen Ethik
Date
1912-01-01
Page
Seite 377 (sequence 19)
Language
German
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Die Grundlagen der jüdischen Ethik. 377 Der eine stirbt vielleicht an seiner Wunde, der andere an der gleichen Wunde nicht, oder wie sollen wir feststellen, daß es genau dieselbe ist? Wie können wir dem Einäugigen sein Auge ausstechen, um dem gerecht zu werden, der zwei Augen hat, wodurch der eine völlig blind, der andere aber nur einäugig würde, während die Thora doch befohlen hat: Wie er einem Menschen den Fehler beibringt, so soll auch ihm beigebracht werden«1)? Die altheidnische Sitte, grausame Wiedervergeltung an dem Feinde zu üben, wurzelte noch im deutschen Volke des christlichen Mittelalters. Unzählige Fluchformeln waren im Mittelalter allgemein im Gebrauch, um einem Feinde Ehre, Gut und Leben zu vernichten. Der böse Fluch sollte bewirken, daß der Feind erbenlos dahinfahre und sein Geschlecht mit ihm erlösche. Es wird dem Feinde angewünscht Verschwellung und Lähmung der Zunge, Taubheit und Blindheit, allerlei Gebrechen und Leiden, Fieber, Krampf und Gicht. Unbestattet soll die Leiche des verhaßten Feindes draußen auf weiter Heide liegen, von den Wölfen und den wilden Vögeln verzehrt2). Besonders ist es das Vieh, das kostbarste Besitztum des Feindes, das man nach heidnischer Art zu verderben und zu schädigen trachtete. Zu diesem Zwecke bediente sich der deutsche Christ am Ende des 16. Jahrhunderts des folgenden Zaubermittels, das in einer Handschrift angegeben ist: »Wißt du machen, das eynem alles viehe stürbett und verdorrett. So nyme das wasser, wen man brodt beckett, damitt man das brodt bestreicht, und geus das eynem vor die thuer aufs anthritt und geus es hin ins theuffels namen«3). So hat sich im spätchrist- *) Jehuda Halewi, Al-Chazari, übers, v. H. Hirschleid, Breslau, 1885, S. 157. J) Vgl. K. Weinhold, Die altdeutschen Verwünschungsformeln in Sitz. Ber. Preuss. Ak. Wiss. 1895 S. 679 ff, 687, 699 ff, 699. s) C. Bartsch, Ztschr. f. deutsche Mythol. III (1855) p. 320.

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