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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 3 · p. Seite 378

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 3
Article
Die Grundlagen einer jüdischen Ethik
Date
1912-01-01
Page
Seite 378 (sequence 20)
Language
German
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378 Die Grundlagen der jüdischen Ethik. liehen Mittelalter die altgermanische Lehre, wie sie in den Edden zum Ausdruck kommt, fortgeerbt: »Wo du Feindschaft weißt, da fordere die Feindschaft heraus und gib nicht deinen Feinden Frieden«1). »Dir ist ziemender das Schwert zu röten als Frieden zu geben deinen Feinden«2). In welchem schroffen Gegensatz hierzu steht die altjüdische Lehre! »Nicht gegen den Feind umgürte das Schwert, sondern zur Abwehr, Besser du brauchst es nicht, sei es mit Recht, sei es zum Unrecht, Denn erlegst du den Feind, so sind deine Hände befleckt.« So predigte ein jüdischer Dichter, der unter den ersten römischen Kaisern gelebt hat in griechischer Sprache den Griechen und Römern die jüdische Menschenliebe. Die jüdischen Lehren, wie die Gleichheit aller Menschen, die Ebenbürtigkeit des Fremden mit dem Einheimischen, das Erbarmen mit den Armen und Unglücklichen suchte er unter die Heiden zu verbreiten3 * * &). *) Havamal Vers 127. 2) Hilgakoitha Hjörvathssonar IV, 34. Jene Willensrichtung, deren Zweck die tätige Unterstützung des Mitmenschen ist, kennt der echte germanische Geist kaum« (M. Kochs, Die Ethik der Edda 1911, 108). Die Mitmenschen sind nach altgermanischer Auffassung zu verachten. Stehen sie einem im Wege, so darf man sie auf hinterlistige Weise schädigen, ja sogar vernichten. Was sich dem egoistischen Streben des alten Germanen entgegenstellt, reizt seinen starken Unwillen, »daher der Haß und der Neid, das Übelwollen und die Schadenfreude, der Zorn und die Tücke, die Rachsucht und die Grausamkeit«. Dem Feinde gegenüber ist alles erlaubt. Die teufliche Schadenfreude nimmt in der Edda einen großen Raum ein. »Die Rache wird als unter allen Ümständen notwendig und deshalb sittlich erlaubt betrachtet«. Selbst der Eidbruch ist dem Feinde gegenüber gestattet. Seinem Feinde Verzeihung zu gewähren, gilt als Feigheit oder Dummheit« (M. Koch, a. a. O., S. 51 jf. 114 ff.). s) Über Pseudo-Phokylides vgl. Bernays im Progr. d. jüd.- theol. Seminars zu Breslau 1856 und Bernays, Ges. Abhandl. I, 226 ff. (Fortsetzung folgt.) &

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