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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 3 · p. Seite 368

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 3
Article
Die Grundlagen einer jüdischen Ethik
Date
1912-01-01
Page
Seite 368 (sequence 10)
Language
German
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368 Die Grundlagen einer jüdischen Ethik. Paulus verwünscht den Hohepriester mit den Worten: »Gott wird dich schlagen, du getünchte Wand«1 2 *). Auch folgende Worte des Paulus zeugen nicht von Feindesliebe: »Alexander der Schmied hat mir viel Böses zugefügt, der Herr bezahle ihm nach seinen Werken«®). Unter den ersten Christen selbst herrschte viel Zank und Haß8). Der berühmte Kirchenvater Hieronymus bringt seinen Judenhaß durch folgende Worte zum Ausdruck: »Wenn es erforderlieh ist, die einzelnen Juden und das Volk zu verachten, so verabscheue ich mit einem unnennbaren Haß die Juden«4}. Ein an derer Kirchenvater, der hl. Cyrill von Alexandrien, veranstaitete im Jahre 415 bei seinem übersprudelnden Fanatismus eine große Judenverfolgung zu Alexandrien, wobei er deren Vermögen von der beutelustigen Menge vollständig plündem ließ. Jene Lehre der Feindesliebe ist im offiziellen Christentum gar nicht beachtet worden. Georg Kaufmann fällt in seiner: »Deutschen Geschichte bis auf Karl d. G.« I., 223 f. folgendes harte Urteil : »Kein Wort war zu schmutzig, das nicht die Häretiker den Orthodoxen, die Orthodoxen den Häretikern entgegenwarfen. Man bekämpfte nicht bloß die Sache, sondern auch die Personen, und nicht bloß die Motive für die Parteinahme, auch das ganze übrige Leben zog man in den Schmutz.« Sie, die für Heilige gehalten wurden, dichten ihrem Gegner Ausschweifungen an. »Noch roher war die häßliche Schadenfreude beim Unglück der Gegner. Auch der Tod versöhnt sie nicht, sondern gibt ihnen nur Gelegenheit, den lieben Gott als ganz speziellen Diener ihrer Partei nachzuweisen.« Dieses Urteil stammt von einem christlichen Forscher. Fritjof Nansen, der vorzügliche Kenner der primitiven Kulturen, sagt in seinem Werke: »Eskimoleben (1903)« über die moderne christliche *) Aposielgesch. 23, 3. 2) 2. Timoth. 4, 14. *) Vgl. 1. Kor. 1, 11; 3, 3; 6, 8f. *) Hieronymus: adversus Rufum II.

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