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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 3 · p. Seite 366

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 3
Article
Die Grundlagen einer jüdischen Ethik
Date
1912-01-01
Page
Seite 366 (sequence 8)
Language
German
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366 Die Grundlagen einer jüdischen Ethik. die aufsteigende Schadenfreude unterdrücken soll. »Mit diesem Gebot«, sagt Philo, »will Mose uns die Lehre geben, daß wir uns über das Unglück unserer Hasser nicht freuen sollen, denn die Schadenfreude ist eine Empfindung unversöhnlichen Grolls...; dadurch, daß du den umherirrenden Esel des Feindes zu seinem Besitzer zurückführst, wirst du mehr noch als deinem Feinde dir selbst nützen, denn er gewinnt nur ein vernunftloses Tier, das vielleicht gar keinen Wert hat, du aber gewinnst das Größte und Wertvollste von allem auf Erden, eine edle Tat. Ganz notwendig folgt aber, wie der Schatten dem Körper, auf eine solche Tat die Lösung der Feindschaft; denn einerseits wird der Empfänger einer solchen Wohltat selbst gegen seinen Willen durch den Liebesdienst gefesselt und zur Versöhnlichkeit getrieben, andererseits hat einer, der von edler Handlungsweise geleitet, einen solchen Dienst erweist, damit schon beinahe sein Herz zur Versöhnung gewandt«1). Durch eine derartige Hilfeleistung, welche die Bibel dem Feinde gegenüber vorschreibt, vermag man den Feind wahrhaftig zu besiegen, was der Midrasch2) in naiv poetischer Weise darlegt: Ein Mann, der auf seinem Maultier reitet, trifft plötzlich unterwegs seinen Feind, dessen Maultier unter seiner Last zusammengebrochen ist. Da erinnert er sich der Vorschrift in der Tora: »Siehst du das Maultier deines Feindes unter seiner Last erliegen, so sollst du es keineswegs hilflos im Stich lassen, sondern es ist deine Pflicht ihm zu helfen«. Schnell eilt er zur Hilfeleistung herbei, um Lasten auf sein eigenes Tier zu laden. Da fängt jener Feind an mit ihm Zureden: »Laß hier ein wenig sinken, hier hebe, hier geh fort«; bis er endlich gemeinsam mit ihm aufgeladen hat. So kommt es, daß sie Frieden miteinander schließen. Jener spricht zu sich: »Sieh, wie sich der, den ich für meinen Feind hielt, Philo, übers, v. L. Cohn, 1910, Bd. II, 347 f. s) Tanchuma zu Mischpatim, Jalkut zu Ps. 99.

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