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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 3 · p. Seite 365

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 3
Article
Die Grundlagen einer jüdischen Ethik
Date
1912-01-01
Page
Seite 365 (sequence 7)
Language
German
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Die Grundlagen einer jüdischen Ethik. 365 wollt darüber ein Loblied anstimmen?«1). Wenn in der messianischen Zeit die Stunde des Faljs der Feinde Israels kommt, um dem Triumphe Israels Raum zu geben, stößt der Himmel folgende Klage aus: »Diese und jene sind meine Geschöpfe, soll ich nun die einen wegen der andern vernichten«?2 *). »Gott hat selbst zu der Zeit, wo er zürnt, Mitleid mit den Frevlern und ihrem Vieh«®). Es ist unsere Pflicht, dem Feinde in derselben Weise, wie jedem andern Menschen aus freien Stücken nach Kräften Hilfe zu leisten, wenn er in Not gerät. Selbst als Feind bleibt er ein Glied derselben Familie. Das Gebot: »Verhalte dich nicht ruhig bei der Gefahr deines Nächsten«4), hat man auch gegenüber seinem Feinde auszuüben. »Begegnest du einem umherirrenden Haustiere deines Feindes, so führe ihm dieses Tier zurück. Siehst du das Maultier deines Feindes unter seiner Last erliegen, so sollst du es keineswegs hilflos im Stiche lassen, sondern es ist deine Pflicht ihm zu helfen«5). Gemäß einer alten Erklärung ist in diesem biblischen Beispiele sogar von einem heidnischen Feinde die, Rede6). Die Bibel hat gerade derartige Beispiele für die Behandlung der Feinde gewählt, woraus der zur Rachsucht neigende Mensch leicht die Lehre ziehe, daß man besonders in Fällen, wo die niedere Rachsucht aufflammen und man seinem Feinde heimtückisch an seinem Vermögen Schaden zufügen könnte, die Rachegetühle und x) Sanhedrin 39 b. Aus diesem Grunde gebietet auch der Schulchan aruch, Orach Cbajjim 490, 4, daß man an den letzten Tagen des Pessachfestes nicht den ganzen Lobgesang (Hallel) rezitiere. 2) Sanhedrin 98 b; Megilla 10 b, s) Schemot Rabba Par. 12; Jona 4, 10 f. Ganz im Gegensatz hierzu sagt R. Ismael: »Gott hat seine Freude, wenn diejenigen, die gegen ihn freveln, untergehen« (Bemidbar rabba P. III zu c. 3, 11). *) 3 M. 19, 16. 6) 2 M, 23, 4—5. 6) Mechilta, ed. Weiss, Wien 1865, p. 105.

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