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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 3 · p. Seite 364

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 3
Article
Die Grundlagen einer jüdischen Ethik
Date
1912-01-01
Page
Seite 364 (sequence 6)
Language
German
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364 Die Grundlagen einer jüdischen Ethik. Peiniger, der hart Geknechtete sich freier fühlte als sein grausamer Kerkermeister. »Wenn man dir auch viel Leid zugefügt hat, so halte es doch für geringfügig und sprich : »Nur wenig habe ich für meine Sünden gebüßt, ich hätte eine größere Strafe verdient«1). Auf solchen jüdischen Lehren basieren auch die Worte Jesu: »Ich aber sage euch, daß ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern wenn dir jemand einen Streich gibt auf deine rechte Wange, dem biete auch die andere dar«2). Dieser neutestamentliche Satz scheint erst in dieser ’üdischen Beleuchtung einen rechten Sinn zu erhalten. »Sei still, wenn man dich schmäht, und lasse es auch nicht zu, daß deine Schüler und Hausgenossen mit Schimpfen und Schlägen dem begegnen, der dich beleidigt«8). Man soll also seinen Feind weder schlagen noch verwünschen, noch ihn in seinem Herzen hassen* 4 *). c) Verbot derSchadenfreude. Pflichtder Hilfeleistung gegen einen in Not geratenen Feind. Über das Unglück seines Feindes soll man sich nicht freuen. »Freue dich nicht, wenn dein Feind fällt, und dein Herz frohlocke nicht, wenn er strauchelt«6 *), denn »wer schadenfroh ist, bleibt nicht unbestraft«6). Auch folgende Allegorie im Talmud lehrt, daß man über den Untergang seiner Feinde nicht triumphieren solle: »Gott freut sich nicht über den Sturz der Frevler. Als die Ägypter bei der Verfolgung der Israeliten im Meere ertranken, wollten die Engel ein Freudenlied anstimmen. Da sprach Gott unwillig: »Meine Geschöpfe sind im Meere versunken, und ihr *) Derech erez sutta c. 2. s) Matth. 5, 39. 8) jehudä' ben Samuel ben Kalonymos: Sefer ha-Chasidim (12. Jhdt). 4) Ärakin 17 b; 8) Spr. Sa!. 24, 17. e) Das. 17, 5.

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