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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 3 · p. Seite 361

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 3
Article
Die Grundlagen einer jüdischen Ethik
Date
1912-01-01
Page
Seite 361 (sequence 3)
Language
German
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Die Grundlagen einer jüdischen Ethik. 361 Haus«1). Unversöhnliche Feindschaft bot den Anlaß, daß der Tempel zerstört wurde2 *). Selbst gegen seine ärgsten Feinde soll man edle Humanität üben. Wie schonend hat der Prophet Elisa die schlimmsten Feinde seines Vaterlandes, die Syrer, behandelt! Als diese ih das Reich Israel eingefallen waren, um ihn gefangen zu nehmen und ihn, den sie nicht erkannt hatten, fragten, wo Elisa sich aufhalte, führte er sie, ohne daß sie es merkten, zu der Hauptmacht des Königs von Israel, der die Feinde entwaffnete. Der König von Israel fragte Elisa: »Soll ich sie erschlagen?« Aber er erwiderte: »Du sollst sie nicht töten. Hast du sie etwa gefangen genommen mit deinem Schwert und deinem Bogen, daß du sie nun erschlagen möchtest? Gib ihnen vielmehr zu essen und zu trinken und laß sie dann zu ihrem König zurückkehren«*). Mit Recht hebt Josephus hervor, das jüdische Gesetz gebiete, »daß auch die Be- Schlüsse gegen die Feinde gerecht sein sollen, denn der jüdische Gesetzgeber ließ nicht zu, ihr Land zu verheeren, noch erlaubte er, die Fruchtbäume abzuhauen, er verbot sogar, die in der Schlacht Gefallenen zu berauben. Auch für die Kriegsgefangenen sorgte er, damit kein Frevel an ihnen begangen werde«4). »Hat aber jemand Rache am Feinde genommen, so fällt er deswegen der göttlichen Strafe anheim, der er nur dadurch entgehen kann, daß ihm sein Feind, an dem er sich gerächt hatte, verzeiht«5), b) Verbot den Feind zu verwünschen. Man soll dem Feinde nichts Übles wünschen. Der fromme Hiob beteuert, als seine Freunde behaupteten, seine Leiden wären wohl die Folgen begangener Sünden : »Habe ich mich jemals über den Unfall meines Feindes gefreut, *) Sanhedrin 102 b. 8) Oittin 55 b; Joma 9 b. 2 (־ Kön. 6, 21-23. *) Contra Apionem II, 29. 5) Saadja, Emunot we-deot, ed. Slucki, Lpz. 1864 S. 156.

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