Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die talmudische Literatur der letzten Jahre
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 313 (sequence 6)
- Language
- German
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Die talmudische Literatur der letzten Jahre. 313 des Kopisten setzen, dieser aber darf nicht immer zum Sündenbock gemacht werden. Der Verfasser ist von einer gewissen Oberflächlichkeit und Unüberlegtheit nicht freizu, sprechen. Man findet aber in unserem Kommentar auch vorzügliche Erklärungen und andere treffliche Bemerkungen- und man erkennt auch sonst, daß der Verfasser ein hervorragender Gelehrter war, wenn auch weniger durch Tiefe und Scharfsinn als durch große Belesenheit glänzend. Man ist sogar versucht anzunehmen, daß der Verfasser sich seiner starken Seiten bewußt war und gern Gelegenheit suchte, sie zur Geltung zu bringen. Daraus erklären sich die vielen Digressionen in unserem Kommentar, die mit den betreffenden Talmudstellen in gar keinem oder nur sehr losem Zusammenhänge stehen. Gelegenheit spielt auch sonst in unserem Kommentar eine Rolle: gelegentlich werden chronologische Themata behandelt und gelegentlich werden Bibelstellen erklärt. Nimmt man noch dazu die Bemerkungen über Diktion und Stil des Talmud, die vielen Worterklärungen aus dem Aramäischen, die zahlreichen arabischen und italienischen Glossen und die Mitteilung mehrerer orientalischer und italienischer Bräuche, so besitzen wir in diesem Kommentar ein in vielen Beziehungen interessantes Buch. In einer Beziehung ist unser Kommentar sogar sehr wichtig und bedeutend, für die talmudische Textgeschichte, besonders aber für den kommentierten Traktat Moed katon. Außer zahlreichen, zum Teil sehr bedeutenden Textvarianten, hat er uns auch einige Talmudstellen erhalten, die in unseren Texten fehlen und auch sonst nicht bekannt sind. Unser Autor hat auch noch andere talmudische Traktate erklärt und wahrscheinlich auch Kommentare zur Mi sch na geschrieben. Er scheint auch manche medizinische und naturwissenschaftliche Kenntnisse besessen zu haben. Während wir nun Salomo ben ha-Jathom als Gelehrten ziemlich genau kennen, wissen wir von seinen Lebensver-