Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Eine unbekannte jüdische Sekte
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 289 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Eine unbekannte jüdische Sekte. iX) Vermutung nahe, daß dieser Brief ursprünglich Jeremias zugeschrieben wurde, und daher die Worte unseres Fragmentes: (1הוא הדבר אשר אמר ירמיה לברוך♦ 8, 20: ואלישע לגחזי־נערו♦ Die Worte Elischas an Gehasi sind weiter nicht bekannt, aber es verdient darauf hingewiesen zu werden, daß nach der rabbinischen Legende2) Elischa vergebliche Versuche gemacht hat, seinen Schüler nach dessen Falle zur Rückkehr zu veranlassen. In einer Mahnung zur Buße passt der Passus, auf den hier verwiesen wird, sehr gut, nämlich, daß »Gottes Zorn gegen diejenigen gerichtet ist, die seine Gesetze verachten und den Gelüsten ihres Herzens folgen«, wie Gehasi, der aus Geldgier seinem Gotte abtrünnig wurde. Bemerkenswert ist auch, daß nach der rabbinischen Legende Damaskus3) der Ort von Gehasis sündhaftem Treiben war; und, falls wir es, wie es den Anschein hat, mit einer lokalen Legende zu tun haben, kann deren Bekanntschaft bei unserem Verfasser, der ein Damascener4) war, nicht befremden. Allerdings die Zusammenstellung Jeremias mit Baruch und Elischas mit Gehasi in unserem Fragmente scheint eher darauf zu deuten, daß Gehasi für unsern Verfasser kein Sünder war, sondern in gewissem Sinne der Nachfolger Elischas, wie Baruch der Jeremias war. Mit Rücksicht auf ג) Möglich ist auch, daß ursprünglich dieses Schreiben als ein Brief Jeremias an Baruch für die babylonische Diaspora galt, wodurch die Differenz zwischen unserem Fragment und der Baruchapokalypse sich einfach erklären läßt; daß Baruch in Babylonien lebte, wird von der rabbinischen Tradition behauptet, vgl. Megilla 16 b. 2) JeruschalmiSanh. X, 29 b, Babli das. 107 b in der letztgenannten Quelle wird sogar Gehasis Antwort an Elischa gegeocn, weswegen er seinen sündhaften Wandel nicht ändern wollte, und dies mag wenn auch indirekt, auf das von unserem Verfasser erwähnte Pseudepigraph zurückgehen. 3) Jeruschalmi und Babli a. a. O. 4) Ob er in Damaskus gelebt hat, läßt sich mit Bestimmtheit nicht sagen, jedenfalls ist diese Stadt von solcher Bedeutung für ihn, daß er sicher ihre Geschichte usw. ihre Legende kannte. Monatsschrift, 56. Jahrgang 19