Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden in der Marienlegende
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 283 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Juden in der Marienlegende. 283 In der niederdeutschen Version1) geht Theophilus auf Rat eines Gauklers zu den Juden, die die Namen Musin, Isaac, Judike, Bonenfant und Samuel führen. Er will für Geld Jude werden, aber die Juden haben zu dem Handel kein Vertrauen. Da will er des Teufels werden, und Samuel gibt ihm an, wo und wie er diesen finden kann. Er bedankt sich bei ihm: Du jode, du r§st my als ein broder, Dat mote dy gelden godes moder! Köm ik weder, so wil ik al wisse Dy jo brengen eine kermisse. Übrigens lautet die Antwort der Juden auf des Theophilus Begrüßung »Gy, joden, got geve ju goden dach U folgendermaßen : »De katte byt ju dat hovet af,« und ist ebenso interessant, wie der Wunsch des Theophilus, die Mutter Gottes solle ihm den brüderlichen Rat vergelten, in dem er ihm den Weg zur Teufelsbehausung in Ovelgünne angibt Von besonderem Interesse sind jene Legenden, in denen von der Beschimpfung, Verletzung und Verwundung der Marienbilder durch Juden berichtet wird, ein Motiv, das in verschiedenen Gestalten wiederkehrt, aber doch immer die gleiche Herkunft verrät. Sie haben im allgemeinen denselben Charakter wie die gleichen Angriffe auf Marien- und Heiligenbilder von seiten der Arianer, Ikonoklasten und anderen Häretiker der christlichen Gemeinschaft Aber wenn die Bilderfeindschaft dieser auf die Verführung durch Juden 1)Theophilus. Niederdeutsches Schauspiel. Aus einer Trierer Hs. des XV. Jahrh. mit Einl., Anm. u. Wörterbuch von Hoffmann von Fallersleben. Erster Druck. Hannover 1853. Theophilus: Mittelniederdeutsches Drama in drei Fassungen hrsg. v. Robert Petsch. Heidelberg 1908. (Germanische Bibliothek 2, 2.)