Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden in der Marienlegende
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 282 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2829132-2829843-2829847-2891432--39556-2891475- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
282 Die Juden in der Marienlegende. der jude im dö vorlas dise leitlichen wort ‘wilt du’ sprach er ‘treten vort an dtner sache?’ ‘ja’ sprach er. ‘sö ist des tüvels beger daz du dich solt verzten gotes und Marien und kristenliches lebenes ist daz du dich verebenes und disen drin widerseist sö wil haben dirre geist von dir ein hantveste die dich zu im beste’. Man sieht, auch hier hat der Jude sofort ein Töufelchen zur Hand1), das zu dem Pakt, der urkundlich festgelegt wird, bereit ist. Der Jude versieht das Amt des Maklers bei dem wunderlichen Rechtsgeschäft. Diese wundersame Geschichte von Theophilus wird vom 10. bis 16. Jahrhundert immer und immer wieder erzählt, gedichtet, gemalt, geschnitzt und auf Volksbühnen vorgeführt. Der gelehrte Jesuit Beissel erklärt den Kern und tieferen Gehalt dieser und der anderen wichtigen im Mittelalter beliebten Marienlegenden! auch heute noch für »dogmatisch und moralisch unverfänglich«2). Es ist also um so weniger zu verwundern, wenn man im Mittelalter, das ja wissenschaftlich noch unkritischer war, als die neueste Zeit, auch die kleinsten Einzelheiten für dogmatische Vorschriften und moralische Unverfämglichkeiten ansah und ohne weiteres, ebenso wie noch heute in weiten mitteleuropäischen Volkskreisen, die Juden ohne weiteres als Teufelsbündler ansah und als solche behandelte. x) S. oben S. 260. 2) St. B eis sei; Die Verehrung U. L. Frau . . 1896. S. 141/142.