Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden in der Marienlegende
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 280 (sequence 24)
- Language
- German
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280 Die Juden in der Marienlegende. philus ist ein hervorragender Mann, dessen Gelehrsamkeit und Bescheidenheit mit seinen andern Tugenden wetteifern. Als ihm das größte Unrecht geschieht und er auf keine Weise zu seinem guten Recht gelangen kann, da läßt er sich durch sein verblendetes Herz zum falschen Wege verleiten, zu einem Juden zu gehen, Quemdam perversum petiit festinus Hebraeum, Qui magica plures decepit fraude fideles. Der führt ihn nächtlicherweile zum König der Teufel. Theophilus’ übergroße Bescheidenheit und Gottesfurcht, die ihn veranlaßt hat, die auf ihn gefallene Bischofswahl abzulehnen, war vom Teufel als Fallstrick benutzt worden, um ihn durch einen Juden zum Abfall verleiten lassen. Natürlich ist es jener Jude, von dem Adgar sagt: »En icele meimes eite Mist uns Hebreus, un forsene, Vn Deu enemi, un chaitif, Vn felun, un diable uif. En Diable esteit uenimus, De l’art al Diable engignus. Mult Crestiens aueit cunquis E par sun engin a mul mis,« der ihn beim Satan einführt, den weltlichen Beistand des Teufels gegen einen Pakt einhandelt, wonach Theophilus seine Seele diesem überantwortet und Maria und Jesus abschwört. Das Vertragsinstrument wird von Theophilus unterschrieben, und alsbald wird der inzwischen eingesetzte Bischof vom Metropolitan ab- und Theophilus an seiner statt eingesetzt, der nun aber zu aller Entsetzen sein Amt gewalttätig ausübt und in Reichtum und Pracht lebt, dabei aber den Verkehr mit jenem schauderhaften jüdischen Teufelsmakler fortsetzt. Schließlich aber empfindet Theophilus Reue über seinen schändlichen Wandel, und bittet unter Fasten und Beten die heilige Jungfrau um Fürsprache bei ihrem Sohne. Diese läßt sich erweichen,