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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 3 · p. Seite 279

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 3
Article
Die Juden in der Marienlegende
Date
1912-01-01
Page
Seite 279 (sequence 23)
Language
German
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Die Juden in der Marienlegende• 279 der Natur stehe, und als ihn die Juden wie die Rüden das Wild anbellten, daß Gott und die Jungfrau ihn blind ließen, antwortete er, in dreien Tagen werde Gott ihm das Augenlicht verleihen. Als die Juden das hören, machen sie sich anheischig, sich taufen zu lassen, wenn das geschieht. Das Gelübde wird urkundlich aufgenommen. Am Lichtmeßtage singt der Blinde ein zwei Tage vorher von ihm verfaßtes Responsorium, in dem er vivaciter Judaeorum errorem confutavit, und erhält sofort das Augenlicht. Fünfhundert Juden ließen sich taufen, die andern, die sich weigerten, ihre Zusage einzulösen, mußten aus Rom fliehen. Jenes Responsorium wurde seitdem auf Anordnung des Papstes zu Lichtmeß gesungen1). Eine ganz besonders beliebte Legende, die in Predigten und Gedichten, in Prosa und dramatischer Dar- Stellung immer wiederkehrt, ist jene mittelalterliche Geschichte von Theophilus, die in vielfältiger Beziehung die Faustlegende vorgebildet und beeinflußt hat. Ein sittenreiner und gottesfürchtiger Mann, namens Theophilus, seinem Amte nach Vicedominus oder Oikonomos ist der Held der geistlichen Dichtung. Ihre orientalische Herkunft erkennt man unschwer aus dem Umstande, daß sie in abendländisehen Wiedergaben, so bei Adgar, ebenso wie in der ältesten Darstellung bei Eutychianus2) in Adana in Cilicien lokalisiert ist. Dagegen gibt Hroswitha von Gandersheim, die sich diesen interessanten Stoff nicht hat entgehen lassen, keine Ortsangabe3). Im allgemeinen ist der Verlauf der Legende im kurzen ungefähr der folgende: Der Vicedominus Theo- *) Karl Qoedeke: Deutsche Dichtung im Mittelalter. Hanover 1854. S. 133. Mussafia a. a. O. I. 946. V. 10. Bourasse: Summa aurea. T. 12 Sp. 928—930 nach Thomas von Cantorbury App. Vgl. die entsprechende Erzählung bei Gregor v. Tours. 2) AemiL Frid. Sommer: De Theophili cum diabolo foedere. Halle, Phil. Diss. v. 1844. S. 4 ff. Gautier de Coincya. a. O. Sp. 25 ff. Später wird aus Cilicien das nähere Sizilien. s) Patrologia latina, ed. Migne, CXXXVII, 1101—1110.

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