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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 3 · p. Seite 278

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 3
Article
Die Juden in der Marienlegende
Date
1912-01-01
Page
Seite 278 (sequence 22)
Language
German
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278 Die Jaden in der Marienlegende. Aus dem Jahre 930 erzählt Bourassö nach Genonius die wunderbare Bekehrung von Juden aus Spanien, eine Begebenheit, die Bourassg nach Sevilla verlegt. Eine jüdische Frau sieht in Kindesnöten den ganz sicheren Tod vor Augen. Sie ruft auf Rat ihrer christlichen Nachbarinnen Maria um Hilfe an und gebiert, nachdem sie für sich und den Sprößling die Taufe gelobt, einen Jungen. Beim ersten Ausgang löst sie das Gelübde ein. Der Mann kommt von der Reise zurück, erfährt, was geschehen, tötet den Knaben mit dem Schwerte und würde auch die Frau erschlagen haben, wenn ihn nicht zu Hilfe eilende Christen in die Flucht geschlagen hätten. Nirgends findet er eine Zuflucht als nur in der offenen Marienkirche, wo er tiefe Reue empfindet und die Jungfräulichkeit Mariae sowie die Messianität ihres Sohnes bekennt, ln den Händen der Häscher verlangt er vor Voll- Ziehung der Todesstrafe getauft zu werden. Während dies im Gefängnis geschieht, findet die Mutter das erschlagene Kind wieder lebendig und eilt mit ihm zum Gefängnis, ihren Christ gewordenen Gemahl zu befreien, »quid enim judices possent in reum, quem Deipara absolvisset tanto miraculo«. Die Familie blieb fest im Glauben, und der Vater hat vieles gegen den Unglauben der Hebräer geschrieben. Das Marienbild, das ihm den Schutz verliehen und das Wunder getan hatte, wurde noch mehr der Mittelpunkt der Verehrung: »cur enim dubitarent Christiani ibi quaerere gratiam, ubi invenit Judaeus1)?« Unter Papst Bonifatius erhoben die Juden Streit, daß Maria nicht Jungfrau geblieben, sondern Josephs wirkliche Gattin geworden und Jesus Josephs Sohn sei. Ein Blindgeborener, der die Heilige Schrift auswendig gelernt hatte, bewies gegen die Juden für die Christen, daß Gott über *) J. J. Bourasse: Summa aurea de laudibas virginis Mariae T. 12, 1862. Sp. 242. Bourasse erzählt ohne Ortsangabe nach Caesarius dieselbe Geschichte noch einmal auf Sp. 936, ohne die Identität zu beachten.

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