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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 3 · p. Seite 276

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 3
Article
Die Juden in der Marienlegende
Date
1912-01-01
Page
Seite 276 (sequence 20)
Language
German
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276 Die Juden in der Marienlegende. zeugen läßt, stirbt1). Zuweilen, freilich sehr selten, wird der Jude aber doch einmal durch das Wunder überzeugt. Ein Ritter in Narbonne erzeugt mit einer Jüdin drei Kinder; als sie zum vierten Male von Geburtswehen befallen wird, schwebt sie in Lebensgefahr. Eine Stimme vom Himmel fordert sie auf, Maria anzurufen. Sie tut es und ist gerettet. Später wird sie Christin2 * *). Wunderbare Krankenheilungen gehören ebenso zu dem Marienglauben wie überhaupt zu den altchristlichen Märtyrererzählungen. Hier spielt die Bekehrung der Jüdin durch das Wunder die Hauptrolle. Mehr Wert als auf den Übertritt einer unwissenden Frau legt natürlich die Kirche auf die Überzeugung und Gewinnung von jüdisch gelehrten Männern, weil diese noch mehr die Wahrheit der siegenden Religion erweist. In einem Nachbarsörtchen von Rom, es heißt Mollarium, kam eines Tages Thomas von Aquino zum Kardinal Richard in geistlichem Disput über Jesu Messianität mit zwei hartnäckigen gelehrten Rabbinern. Trotz seiner Überlegenheit — sie vermögen nichts mehr zu erwidern — gehen sie unbekehrt fort. Aber Thomas betet zur Jungfrau, und diese erleuchtet ihren Sinn, so daß sie die Taufe begehren und getauft werden8). Es bedarf also ebenfalls eines Wunders Marias, um diese wertvolle Bekehrung durchzusetzen. Als um das Jahr 640 ein reicher Jude in der Lombardei reiste, wurde er von Räubern überfallen, die ihn ausplündern wollten, ihn mißhandelten, blutig schlugen, in Ketten warfen und in ein Verließ stürzten. Dort erwartete י er in seinem tiefen Schmerz sein nahes Ende und betete zur heiligen Jungfrau, die die Christen in ihren Nöten anrufen. Drei Tage lang wiederholte er unaufhörlich das Gebet, dann schlief er ein und erblickte im Traum eine *) Mussafia a. a. O. I. S. 959. 2) Ebenda. I. S. 979/980. *) Bourasse: Summa aurea. T. 12. Sp. 939 nach Vita S. Thomae Aquin. mense Martio.

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