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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 3 · p. Seite 275

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 3
Article
Die Juden in der Marienlegende
Date
1912-01-01
Page
Seite 275 (sequence 19)
Language
German
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Die Juden in der Marienlegende. 275 einer gewissen Gegensätzlichkeit gegen die Juden beharrt. Einer, dem die Hände abgehauen wurden, weil er einen Maria fluchenden Juden totgeschlagen hatte, betet zu Maria am Verkündigungstage. Er erlangt seine Hände wieder1). Johannes Herolt (15. Jahrh.) variiert dies in seinem Promptuarium exemplorum : Ein einäugiger Ritter schlägt einen Juden, der seiner spottet, weil er vor Maria kniet. Verklagt, fleht er um Hilfe Maria an, die ihm das fehlende Auge wieder gibt. Als er vor dem Richter steht, sagt der Jude: »Das ist nicht jener, der mich schlug«. Zur Erinnerung an das Wunder bekommen die Juden j’edes Jahr an demselben Tage eine Ohrfeige2 3). Das zu Rom angeblich von der Tochter des Konsuls Symmachus Galla in ihrem in eine Kirche verwandelten Palast gestiftete Muttergottesbild ist wundertätig und hat diese Wunderkraft ebenfalls den Juden gegenüber bewiesen8). Als Hadrian VI. nach dem Beispiele Leos X. mit allen Kardinälen barfuß das Bild in feierlicher Prozession durch die Stadt trug, wandte ein vorübergehender Hebräer das Antlitz ab. Er konnte aber bis zu seinem Lebensende den Kopf nicht wieder zurückwenden. Eine Jüdin schloß die Augen und konnte sie nie wieder öffnen. Sie blieb blind bis zu ihrem Tode. Daß die Juden trotz der sichtbaren Wunder ungläubig bleiben, ist eine immer wiederkehrende Vorstellung: Zu Stephan, dem Hüter der Peterskirche zu London, kommt eine Frau mit einem blinden Knaben; Maria habe ihr bedeutet, dem Stephan aufzutragen, die Füße der Bilder Marias und des Christkindes zu waschen und mit dem Wasser die Augen des Knaben zu benetzen. Ein Jude, der das Wunder mit ansieht und sich trotzdem nicht über- ג) Johannes Gobii: Scala Coeli. Mussafia a. a. O. III. S. 42. 2) Mussafia a. a. O. III. S. 52/53. Der Schluß erinnert an die Erzählung von Toulouse. 3) Gumppenberg a. a. O. S. 476, 477. 18*

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