Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden in der Marienlegende
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 274 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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274 Die Juden in der Marienlegende. Dame, um Geld von ihr zu leihen, wozu sie bereit war, aber Bürgen verlangte, und zwar Gott und das Meer. Als die Zeit der Rückzahlung gekommen war und Rabbi Akiba krank daniederlag, ging die Dame ans Ufer und betete: »Herr der Welt, dir ist bekannt, daß ich dir und diesem Meere mein Geld anvertraut habe.« Da senkte der Heilige, gelobt sei er, Irrsinn in das Herz der Kaisertochter, daß sie in das Schatzhaus ging, Gold und Edelsteine nahm und ins Meer warf. Dieses spülte sie an die Tür des Hauses der Matrone, und diese nahm sie in Empfang. Nach einiger Zeit aber brachte auch Rabbi Akiba das Geld und sprach: »Sei nicht böse, daß ich das Geld nicht zu der Zeit, die wir festgesetzt hatten, brachte. Ich war krank.« Aber die Matrone sprach: »Es ist dein! denn mein Geld ist zur rechten Zeit in meine Handgekommen.« Und sie erzählte,was geschehen war. Dasselbe Motiv liegt der Legende vom Nikanortor zugrunde. Nikanor, ein Jude in Ägypten, hat das Gelübde getan, zwei schöne Kupfertore für den Vorhof des Tempels zu Jerusalem zu spenden. Sein erspartes Vermögen verwendet er dafür. Er schifft sich mit ihnen ein, aber bei einem Sturme werfen die Seeleute, um sich zu retten, eines der Tore in die See. Als sie auch das zweite hineinwerfen wollen, klammert sich Nikanor verzweiflungsvoll daran fest, und will sich mit ihm ins Meer werfen lassen. Die See beruhigt sich allmählich, und Nikanor gelangt mit seinem kupfernen Tore an den Strand von Akko, wo er zu seinem Erstaunen das erste Tor schon vorfindet. Manche erzählen, ein Tier habe es verschlungen und ans Land gespien. Als man in späteren Zeiten alle Tore des Tempels durch goldene ersetzte, ließ man doch die Kupfertore Nikanors immer unberührt, weil mit diesen Wunder geschahen. Manche sagen, weil sie aus poliertem Kupfer waren (Joma 38a). Eine Reihe kleinerer Legenden zeigt, wie Maria mehr noch als andere Heilige sich ihrer Schützlinge gegen die Juden annimmt, und wie überhaupt der Marienkultus in