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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 3 · p. Seite 273

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 3
Article
Die Juden in der Marienlegende
Date
1912-01-01
Page
Seite 273 (sequence 17)
Language
German
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Die Juden in der Marienlegende. 273 wirft sie ins Meer. Sie treibt ans Ufer und kommt dort tatsächlich rechtzeitig in Abrahams Hände, der das Geld an sich nimmt, aber niemandem davon Mitteilung macht. Als nun Tierri ankommt, verlangt Abraham von ihm das Geld. Tierri ist sehr erstaunt, daß die Schuld nicht eingegangen sein soll, und ist bereit, nochmals zu zahlen, wenn der Jude vor j'enem Marienbild in der Sophienkirche schwören will, daß er nichts erhalten habe. Kaum hat der Jude geschworen, als das Marienbild laut und vernehmlich ruft: »Abraham! Abraham! Tu i menz! L’escrin od l'argent e od l’or As tu muscie en tun tresor, Si que ta femme ne set mot! Veirement as erre cume sotl« Unter großem Freudengeschrei der versammelten Menge schleicht der Jude beschämt von dannen und wird seither ein Wohltäter der Armen1). Einmal liegt die Sache freilich auch so, daß der Jude Recht bekommt. Ein Christ entlehnt Geld von einem Juden und stellt ein Marienbild als Bürgen. Zur Verfallszeit leugnet der Christ die Schuld. Der Jude verklagt ihn beim Papst. Doch soll er, da keine Zeugen da sind, abgewiesen werden. Da ruft er Maria als Zeugen an, und das Bild bestätigt seine Angaben2). Im allgemeinen freilich ergreifen die Bilder nicht die Partei der Juden, — das ist eine ganz vereinzelte Ausnahme — sondern die ihrer Gegner und Widersacher. Mit Recht weist Günter darauf hin, daß diese Legende, natürlich in entsprechend anderer Gestalt auf den Talmud zurückgeht, wo (Nedarim 50 a) von Rabbi Akiba folgende Geschichte erzählt wird: Als die Weisen ein Lehrhaus bauen wollten, schickten sie den Rabbi Akiba zu einer ג) Mussafia a. a. O. II, S. 88 nach einer Sammlung des 12. Jahrhunderts. 2) J o ma 38a. Monatsschrift, 56. Jahrgang. 18

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