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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 3 · p. Seite 272

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 3
Article
Die Juden in der Marienlegende
Date
1912-01-01
Page
Seite 272 (sequence 16)
Language
German
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272 Die Juden in der Marienlegende. Bezahlung verlangt1). Die Erzählung kehrt mit vielen Variationen regelmäßig wieder. Ein Erzdechant von Lüttich kommt nach Konstantinopel und wohnt einem Freudenfeste bei. Er fragt nach der Ursache und vernimmt folgende Geschichte: Ein Christ entlehnte Geld von einem Juden, und in der Marienkirche stellt er das Jesuskind, welches in Marias Armen liegt, als Bürgen. Am Zahlungstage vertraute er dem Meere die Kiste mit der entlehnten Summe an. In einer Nacht kommt die Kiste nach Konstantinopel; der Jude findet sie und nimmt sie nach Hause. Trotzdem fordert er das Geld von dem heimgekehrten Christen. Sie treten vor das Jesusbild, und aus ihm ertönt eine Stimme, welche die geschehene Zahlung bestätigt* *). In einer anderen Version8) kehrt der Christ am Zahlungstage zurück. Der Jude hält sich ausdrücklich versteckt, um am folgenden Tage das Recht zu haben, das Bild Marias zu zerstören. Der Christ legt das Geld vor dem Bilde nieder. Am Morgen Wortwechsel zwisehen den beiden. Da spricht das Bild. Bei Adgar ist es der hochgeachtete Kaufmann Tierri in Konstantinopel, der durch Not gezwungen beim Juden Abraham Geld gegen ein sicheres Pfand leiht. Tierri, der nichts mehr besitzt, stellt in seiner Not ein in der Sophienkirche befindliches Marienbild, an dem sein ganzes Herz gehangen, als Bürgen, erhält das Geld und verspricht, es binnen Jahresfrist zurückzuerstatten. In Alexandria wieder vermögend geworden, reist er zurück, bemerkt aber, daß ein ausgebrochener Sturm es unmöglich macht, rechtzeitig zur Stelle zu sein. So packt er vertrauensvoll Schuld und Zinsen in eine Kiste, adressiert sie an Abraham und *) Otto Weinreich a. a. O. Seite 93. Der angezogene Bericht nach Hermann! Corneri Chronicon, hrsg. v. Eccard. (Corpus histor. med. aevi. Bd. II, 1723) Seite 508. s) Mussafia a. a. O. S. 942. *) Ebenda I. S. 991/992.

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