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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 3 · p. Seite 269

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 3
Article
Die Juden in der Marienlegende
Date
1912-01-01
Page
Seite 269 (sequence 13)
Language
German
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Die Juden in der Marienlegende. 269 In der Bibliotheca normannica hat Eugen Wolter1) eine Reihe von Texten veröffentlicht, die alle die kleine Legende behandeln, in der ein körperlich und geistig hervorragender Judenknabe seine christlichen Schulkameraden zum Abendmahl begleitet und den Leib des Herrn empfängt. Froh darüber nach Hause gekommen, erzählt er dem Vater, was er getan hat, wird aber von diesem mißhandelt und in den glühenden Ofen geworfen. Sofort erscheint ihm die heilige Jungfrau und schützt ihn mit ihrem Mantel vor dem Feuer. Inzwischen sammeln sich, durch das Jammergeschrei der Mutter herbeigelockt, Juden und Christen. Als die Christen den Knaben aus dem feurigen Ofen herausholen und ihn fragen, ob er denn keine Schmerzen ausgestanden habe, erzählt er, daß die, die über dem Altar der Christen ihren Platz habe, ihm erschienen sei, und mit ihrem Mantel die Glut ihm völlig ferngehalten habe. Da verstehen sie, daß es das Bild der benedeiten Maria gewesen sei, das er gesehen und das ihn geschützt habe, und werfen den Judenvater in das Feuer, der sofort in den Flammen seinen Tod findet. Sein Haus wird zerstört und an dessen Stelle eine Kirche der Maria erbaut. Gregor von Tours, der auch von andern Legenden, so von den Siebenschäfern, die erste Überlieferung gibt und in seiner Schrift »De Gloria Martyrum« die später in der ganzen christlichen Welt verbreitete Marienlegende vom Judenknaben, »ad corroborandam fidem catholicam« erzählt2), läßt sie im Orient geschehen, während spätere abend- *) Der Judenknabe. 5 griechische, 14 lateinische und 8 französische Texte, hrsg. von Eugen Wolter. Halle 1879. (= Bibliotheca normannica, hrsg. v. Suchier 2.) 128 S. 8°. Vgl. dazu Analecta Bollandiana T. 21, 1902. Seite 251 Nr. 95. Qautier de Coincy a. a. O. Sp. 281—286. 2) Oregorius Turonensis: Libri miraculorum 1. De Gloria martyrum. Cap. 10. (Opera priora P. 1, 1640. S. 23 ff. MO. SS. rer. Merov. I, 489. Patrologia Latina, ed. M i g n e, Bd. 71, 1858, Spalte 714.) Vgl. Das Jüdel; in K. A. H ahn: Gedichte des XII. n.

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