Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden in der Marienlegende
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 267 (sequence 11)
- Language
- German
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Die Juden in der Marienlegende. 267 In dem deutschen Schauspiel »Himmelfahrt Mariae« aus dem 14. Jahrhundert bleiben ebenfalls die Juden an der Bahre, die sie den Jüngern mit Gewalt abnehmen wollen, kleben. Als der Princeps Judaeorum den Petrus um Gnade und Hilfe anfleht, und dieser auf seine Frage gloubestü an Jhesum iar und in dese reyn mayt, dy vil kösch was unvorczjayt und uns gebar zcü tröste hir, seinen Glauben an Jesus und seine Mutter bekennt, werden sie von dem Zauber befreit. Sie bekehren sich natürlich1). Sie waren geblendet und bekommen nun ihr Augenlicht sofort wieder. Von einem Marienwunder irgendwo in Italien ist Gumppenberg* *) umsomehr überzeugt, als er sich dafür als Quelle auf das 6. Buch des Werkes des Heiligen Papstes Coelestin V (geb. um 1215, gest. 1296) berufen kann. Ein Bischof, der der Gottesmutter ganz besonders ergeben war, beschloß zu ihrer Ehre und Verehrung eine Kirche zu errichten. Inzwischen wird er durch Krankheit an das Bett gefesselt. Als die Ärzte an seinem Leben verzweifeln, ruft er die Jungfrau um Hilfe an, die sich ihm in ihrer Glorie offenbart, ihn in seinem Jammer tröstet und den Ort ihm bezeichnet, wo sie den von ihm geplanten Bau wünsche. »Ich will,« sagte sie, »daß du ihn auf dem Friedhof der Juden erbaust,« zugleich verschwand sie. Die Juden lehnten es in ihrer Beratung ab, auch gegen Bezahlung den Friedhof abzugeben. Der Bischof erhöht den Preis, sie weigern sich, antworten aber, daß sie unter der Bedingung bereit seien, den Friedhof als Baugrund sogar umsonst abzugeben, *) Alttefitsche Schauspiele. Hrsg. v. Franz Joseph Mone. Quedl. u. Leipz. 1841. Seite 65 ff. *) Gumppenberg a. a. O. Seite 849. Bourasse hat dies in seiner Summa aurea T. 12 Sp. 381—382 wörtlich fibernommen.